Wenig Personal, viele Probleme hinter Gittern - Task Force soll helfen


Mittwoch, 08. August 2018 3.30 Uhr


Düsseldorf (dpa/lnw) - Hinter Gittern ist niemand gerne - oft gilt das auch für das Personal. Justizvollzugsbeamte sind Mangelware. Ihre Gewerkschaft klagt über wachsenden Druck in überbelegten Gefängnissen. Jetzt soll eine Task Force helfen.

Der Strafvollzug in Nordrhein-Westfalen leidet aus Sicht der Beschäftigten unter überbelegten Anstalten und klaffenden Personallücken. Schon jetzt gebe es im allgemeinen Vollzugsdienst etwa 400 offene Stellen, sagte der Landesvorsitzende des Bunds der Strafvollzugsbediensteten NRW, Peter Brock, der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) will am Mittwoch (10.00 Uhr) in Düsseldorf eine «Task Force» vorstellen, die drängende Probleme im Strafvollzug effektiver bewältigen soll. Brock sieht reichlich Baustellen.

«Die Überbelegung in den Anstalten muss abgebaut werden, weil sie die Beschäftigten weiter unter Druck bringt», betonte der Gewerkschafter. «Wenn eine Anstalt zu 90 Prozent voll ist, ist sie eigentlich zu 100 Prozent belegt.» Viele Häftlinge könnten nicht zusammen untergebracht werden: angefangen von Rauchern und Nichtrauchern über Angehörige rivalisierender Rockerclubs bis hin zu Ausländern aus Kriegsgebieten.

Der Beruf des Justizvollzugsbeamten erfordere erhebliche körperliche, psychische und intellektuelle Voraussetzungen, stehe aber in der Attraktivitätsskala weit unten, stellte Brock fest: «Damit will keiner was zu tun haben». Daher seien nachhaltige Werbekampagnen nötig, aber auch attraktivere Arbeitsbedingungen - zumal die freie Wirtschaft mit vielen offenen Stellen locke.

Höhere Bezahlung und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf in dem anstrengenden Schichtdienst-Job wären aus Sicht des Gewerkschafters wünschenswert, um professionellen Nachwuchs sicherzustellen. Außerdem wären zusätzliche Angebote zur psychologischen Unterstützung und Supervision sinnvoll, empfahl Brock. Bislang gebe es das meist nur im akuten Bedarfsfall, wenn etwa ein Beamter jemanden in der Zelle findet, der sich am Fensterkreuz erhängt hat.

In NRW gibt es 36 Justizvollzugsanstalten mit 18 500 Haftplätzen sowie fünf Jugendarrestanstalten mit knapp 240 Plätzen. 72 Prozent der Strafgefangenen sind erwachsen. Mit 94 Prozent sind die allermeisten Insassen Männer. 37 Prozent sind ausländische Gefangene.