Schlossherr bleibt Schlossherr - trotz bürgerlicher Liebe


Donnerstag, 30. Juli 2020 15.09 Uhr


Bad Berleburg (dpa/lnw) - Adeliger Erbstreit im Wittgensteiner Land: Nach dem Tod des bisherigen Schlossherrn von Bad Berleburg hatte dessen Cousin dem Sohn das Erbe streitig machen wollen. Vor Gericht hat er nun eine Abfuhr kassiert. Es geht um Ansehen, Adel und viel Wald.

Mächtig thront es über der kleinen Stadt Bad Berleburg im tiefen Süden Westfalens: Das Schloss und Zuhause von Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, eines Neffen von Königin Margarethe von Dänemark. In einem seit langem erbittert geführten Streit um den Familienbesitz - nebst Schloss umfasst er vor allem riesigen Privatwaldbesitz - machte nun das zuständige Gericht klar: Gustav ist Erbe und soll es auch bleiben. Ein Cousin seines Vaters hatte bisher vergeblich versucht, ihm diesen Anspruch streitig zu machen.

Am Donnerstag hat das Oberlandesgericht Hamm schließlich mitgeteilt, der 2019 ausgestellte Erbschein sei rechtens. Das Gericht wies damit die Beschwerde des Bad Laaspher Windenergie-Unternehmers Ludwig Ferdinand Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg zurück. Er hatte vergeblich argumentiert, Gustav erfülle nicht die Bedingungen des aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs stammenden Testaments. Und so drehte sich der Streit auch um die Frage, ob die Frau an der Seite des Schlossherrn eine Bürgerliche sein darf.

Rückblick: Am 13. März 2017 war Gustavs Vater, der langjährige Chef des Hauses Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, gestorben. Ein Jahr später begegneten sich potenzielle Erben vor dem Landwirtschaftsgericht in Bad Berleburg - darunter Gustav und der Cousin des Verstorbenen, Ludwig Ferdinand. Das Gericht stellte den Erbschein für Gustav aus - was Ludwig Ferdinand nicht hinnehmen wollte.

Grundlage ist ein Testament, das nicht der verstorbene Richard, sondern dessen Vater Gustav-Albrecht noch zu Kriegszeiten aufgesetzt hatte. Um den Familienbesitz zusammenzuhalten, hatte er seinen Sohn nur als sogenannten Vorerben eingesetzt und dann bestimmt, sein noch ungeborener Enkel solle den Nachlass erben - allerdings nur unter besonderen Bedingungen, wie Rechtsanwalt Henrich Schleifenbaum erläuterte, der Ludwig-Ferdinand vertritt.

Seinen Schilderungen nach findet sich in diesem zehnseitigen handschriftlichen Dokument eine Klausel, auf die sich nun sein Mandant berufe: Erbe könne nur werden oder bleiben, wer eine Ehe mit einer Frau eingehe, die adlig geboren ist, so Schleifenbaum. Gustav ist nicht verheiratet, aber lebt seit vielen Jahren in einer festen Partnerschaft mit einer Bürgerlichen. Für Schleifenbaum ist klar: «Der Erblasser wollte nicht, dass an der Seite des Chefs des Hauses eine Frau steht, die nicht adelig geboren ist.»

Die Richter am OLG sahen in diesem und anderen Argumenten aber offenbar kein Hindernis für die Rechtmäßigkeit des Erbscheins. «Das OLG hat seine Entscheidung sehr ausführlich begründet, sich mit allen juristischen Fragen detailliert auseinandergesetzt und auch die historischen und familiären Zusammenhänge kenntnisreich gewürdigt», teilte der siegreiche Gustav auf Anfrage mit. Er kann aufatmen: Das Gericht hat die Rechtsbeschwerde bei der nächsten Instanz nicht zugelassen.

Die Gegenseite sieht dennoch juristischen Spielraum und kündigte an, alle Möglichkeiten zu prüfen, um die Entscheidung doch noch abzuändern, sagte Anwalt Schleifenbaum der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Auch eine Verfassungsbeschwerde sei im Gespräch: «Ich werde meinem Mandanten dringend empfehlen, dagegen vorzugehen.»

Gustav dagegen sieht sich «deutlich bestätigt» in seiner Rechtsauffassung. Details dazu wollte er nach Auskunft seines Sprechers nicht nennen. In einer früheren Stellungnahme zur erstinstanzlichen Entscheidung im März 2019, die der regionalen Presse zu entnehmen ist, hatte er ausführen lassen, die im Testament genannten Bedingungen aus der Zeit des Nationalsozialismus könnten nicht mehr als Anspruchsgrundlage für eine Erbberechtigung herangezogen werden. Derlei Gedankengut habe keine rechtliche und moralische Grundlage mehr.

Nach der nun gefallenen Entscheidung zu seinen Gunsten, wiederholt Gustav zudem, dass er es bedaure, dass die Gegenseite den Rechtsweg eingeschlagen habe. Hierdurch sei das Ansehen der Familie beschädigt worden, ist er überzeugt.