El-de-Haus
Quelle: Justiz NRW

Fachhochschule für Rechtspflege Nordrhein-Westfalen: Besuch des EL-DE – Haus in Köln 2018

16.11.2018

Der jährliche Besuch im Lehrfach „Öffentliches Recht“ führte auch in diesem Jahr mehrere Studiengruppen des Studiums II Fachbereich Rechtspflege der Fachhochschule für Rechtspflege Nordrhein-Westfalen zum „EL-DE-Haus“ in Köln.

Von 1935 bis 1945 Sitz der Kölner Gestapo wurde der Name „EL-DE-Haus“ zum Inbegriff der NS-Schreckensherrschaft in Köln.

Einzelschicksale standen im Mittelpunkt der diesjährigen Führungen. Hans – der mögliche Edelweißpirat – verbrachte als 15-Jähriger ohne eine Anklage oder ein weiteres rechtsstaatliches Verfahren ein Jahr Gefangenschaft im Gestapo – Haus, sogar im berüchtigten Tiefkeller des Hauses. Sein selbstgeschriebener Namenszug ist dort noch auf der Wand erkennbar.

Totale Vereinnahmung der Jugend war erklärtes Ziel des NS-Regimes. In Schule und Freizeit sollten die Mädchen und Jungen, vom Staat beaufsichtigt und gelenkt, frühzeitig in den „Führerstaat“ eingegliedert werden. Die Jugendorganisationen des Regimes – Hitlerjugend (HJ) und Bund Deutscher Mädel (BDM) – bekämpften die übrigen politischen, konfessionellen und freien Jugendorganisationen, die schließlich zur Auflösung gezwungen wurden.

Hans wurde verdächtigt, Mitglied der „Edelweißpiraten“ zu sein. „Navajos“, „Edelweißpiraten“, „Sturmscharen“ oder „Pfadfinder“ – hinter diesen Begriffen verbergen sich Gruppen von Jugendlichen, die es – aus oft sehr unterschiedlichen Gründen - in den Jahren der NS-Herrschaft ablehnten, sich dem Alleinvertretungsanspruch der „Hitlerjugend“ unterzuordnen. Dabei verband sie dreierlei: Sie entzogen sich der HJ, praktizierten eigene Formen jugendlichen Verhaltens und wurden deshalb vom NS-Regime verfolgt.

Spätestens ab 1942 kann Köln als Zentrum der Edelweiß-Gruppen, wie die bevorzugte Selbstbezeichnung lautete, mit über 3000 in Gestapo-Akten genannten Namen gelten.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden speziell ab 1941 radikalere Verfolgungsmethoden angewandt. Razzien, Belauschung, Verleumdung, Aufforderung zum Verrat, Nötigung, Folter und Gefängnishaft wurden eingesetzt, um regimekritischen Gruppen zu begegnen. Im Dezember 1942 kam es im Raum Köln zu einer Verhaftungswelle durch die Gestapo, allem Anschein nach motiviert durch die im Sommer 1942 angelaufenen Flugblattaktionen einzelner Gruppen. Die Anzahl der ermordeten Edelweißpiraten ist unbekannt. Die Dokumentation über Mitgliedschaft, Aktionen, Verhöre und Hinrichtungen lag fast ausschließlich bei den Tätern des NS-Regimes. Die Jugendlichen führten auch aus Angst vor Verfolgung nicht Buch über ihre Aktivitäten. Viele der Gruppenmitglieder kannten sich nur mit dem Spitz- oder dem Vornamen, was wieder ein Schutz bei Folter-Verhören war. Die vielfältigen Methoden der Ermordung von Regimegegnern erschweren ebenfalls die lückenlose Erfassung der Opfer. Es ist anzunehmen, dass nur eine Minderheit den Zweiten Weltkrieg überlebte.

Das Schicksal dieser jungen Menschen berührte die ebenfalls jugendlichen Studierenden eindringlich.

Darüber hinaus war am Tag nach dem Brandanschlag und der Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof durchaus der aktuelle Bezug zu Terror und Gewalt auch in der Stadt selbst spürbar.

Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: maik.schlaak@fhr.nrw.de