Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Eröffnung der Pressekonferenz "Gefechtslage Cybercrime – Jahresbilanz der ZAC NRW" durch den Minister der Justiz Peter Biesenbach

03.08.2018

Es gilt das gesprochene Wort!


Anrede,

wir haben Sie heute zu diesem Pressefrühstück eingeladen, um Bilanz in einem für die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime in NRW sehr ereignisreichen Jahr zu ziehen.

Im März konnte die Polizei – Sie werden es verfolgt haben – bei der Präsentation der Polizeilichen Kriminalstatistik deutlich rückläufige Gesamtzahlen vermelden. Eine wichtige Ausnahme von diesem Trend war das Deliktsfeld der Cyberkriminalität und allgemein der Straftaten mit Internetbezug. Das ist und bleibt ein Wachstumsmarkt. Hier sind die Zahlen erneut gestiegen, wenn auch nicht ganz so dramatisch wie im Jahr 2016. Im Jahr 2017 waren es rund 60.000 gemeldete Fälle mit Internetbezug in NRW.

Bei genauer Betrachtung bemerkt man aber schnell – diese Zahl führt in die Irre. 91% der Fälle – so meldet es das LKA – waren vollendete Delikte. Das beweist nicht etwa, dass Cyberkriminelle und Online-Betrüger besonders erfolgreich sind. Es beweist, dass die Opfer regelmäßig erst Anzeige erstatten, wenn "das Kind in den Brunnen gefallen" ist. Versuche werden entweder gar nicht bemerkt oder sie werden schamhaft verschwiegen.

Besonders kritisch ist das bei Wirtschaftsunternehmen, die teilweise auch vollendete Delikte nicht zur Anzeige bringen, weil sie den Reputationsverlust fürchten oder der irrigen Ansicht sind, das alles "bringe sowieso nichts". Mittlerweile geben nämlich in internen Umfragen mehr als ¾ aller Unternehmen an, von unterschiedlichen Erscheinungsformen der Cyberkriminalität betroffen zu sein. Mehr als die Hälfte aller Unternehmen bezeichnet das Risiko, von IT- Angriffen geschädigt zu werden, als sehr groß. Wir haben es mit einem riesigen Dunkelfeld zu tun.

Und das gefährdet wiederum die Cybersicherheit, nicht nur weil die Täter im Einzelfall unbehelligt bleiben, sondern auch weil Cyberkriminalität ein sehr innovatives "Geschäft" ist, bei dem sich die Angriffsrichtung beständig ändert. Gerade hat sich herumgesprochen, was es mit einem "CEO-Fraud" auf sich hat, da tun sich schon wieder neue Formen des Cyberangriffs auf - wie Spionage durch APT-Angriffe oder das Kapern fremder Identitäten durch das sogenannte Credential Stuffing. Der volkswirtschaftliche Schaden geht in die Milliarden. Je schneller die Ermittler von neuen Angriffen erfahren, desto eher können sie andere warnen.

Die Verfolgung von Cyberkriminalität ist dieser Landesregierung insbesondere auch deshalb von Beginn an ein zentrales Anliegen gewesen, weil Nordrhein- Westfalen als bevölkerungsreichstes Bundesland und Wirtschaftsstandort auf eine florierende Internetwirtschaft angewiesen ist.

Zur Aufhellung des Dunkelfeldes bedarf es dabei des Vertrauens der Bürgerinnen und Bürger und der Wirtschaft in die Kompetenz der Ermittler. Mit der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen, der von mir hochgeschätzten ZAC NRW, verfügen wir über eine Truppe von jungen und hochmotivierten Experten, deren Fachkompetenz und Schlagkraft inzwischen weit über Nordrhein-Westfalen hinaus bewundert wird.

Das "Dunkel" im Netz bedarf auch noch in anderer Hinsicht der Aufhellung. Die Vorteile von anonymer Kommunikation und Konnektivität hat auch das Organisierte Verbrechen entdeckt. In den dunklen Bereichen des Netzes blüht der Waffen- und Drogenhandel. Immer mehr Online-Marktplätze machen das Geschäft der Kriminellen ebenso effektiv wie einfach. Die ZAC NRW hat sich unter anderem auf solche Darknet-Verfahren spezialisiert. Darauf kommen wir später noch im Detail zu sprechen.

Die Ermittler stellt das alles natürlich vor große Herausforderungen. Die ZAC NRW war bis Anfang des Jahres mit nur einem Oberstaatsanwalt und 5 ½ Arbeitskraftanteilen des staatsanwaltschaftlichen Dienstes besetzt. Wir haben das geändert und die Anzahl der Mitarbeiter der ZAC fast vervierfacht. Vier neue Planstellen für Oberstaatsanwältinnen und Oberstaatsanwälte und 16 neue Planstellen für junge Ermittlerinnen und Ermittler sind hinzugekommen. Es gilt, die jungen, netzaffinen Staatsanwältinnen und Staatsanwälte für diese Aufgabe zu begeistern und ihnen dann auch Raum zu geben. Die Stellenbesetzungen sind bereits angelaufen.

Insgesamt haben wir 26 neue Planstellen geschaffen und das nicht nur für Staatsanwälte, sondern auch für einen Wirtschaftsreferenten, Servicekräfte und den Wachtmeisterdienst. Denn was nützt die beste Ermittlung, wenn niemand die Anklagen ausfertigt und die Akten transportiert.

Durch diese personelle Stärkung konnte die ZAC NRW schon erste Maßnahmen treffen und zum Beispiel feste Ansprechpartner für Unternehmen der sogenannten kritischen Infrastruktur benennen, um die Zusammenarbeit bei Cyberattacken zu verbessern. Ich freue mich, dass der Leiter der ZAC NRW, Herr Oberstaatsanwalt Hartmann, heute bei uns ist und eine erste Bilanz ziehen kann. Wie ist die "Gefechtslage bei Cybercrime"?

Herr Hartmann, Sie haben das Wort.

Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@jm.nrw.de