Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Rede von Minister der Justiz Biesenbach anl. der Amtseinführung der Leiterin der Justizvollzugsanstalt Aachen, Leitende Regierungsdirektorin Elke Krüger und Würdigung der Amtsvorgängerin, Leitende Regierungsdirektorin a.D. Reina Blikslager

02.07.2018

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

zunächst darf ich Sie alle in der Justizvollzugsanstalt Aachen ganz herzlich begrüßen. Es freut mich sehr, heute mit Ihnen gemeinsam die neue Leiterin dieser Behörde, Frau Leitende Regierungsdirektorin Elke Krüger, willkommen zu heißen.

Frau Krüger hat hier in Aachen bereits die Nachfolge von Frau Leitende Regierungsdirektorin Reina Blikslager angetreten, die Ende April dieses Jahres in den Ruhestand getreten ist und die wir heute verabschieden möchten.

Anrede,

Aachen ist eine tolle Stadt, die ihren Bürgern und Besuchern Vieles zu bieten hat.

Zwar liegt sie am äußersten Rand unseres schönen Bundeslandes, gleichwohl ist sie geschichtlich und kulturell tief im Herzen Europas verankert. In ihr vereint sich das Beste, was dieser Kontinent zu bieten hat: Weltoffenheit, Toleranz und ein Hauch fast schon mediterraner Gelassenheit.

Es steht wohl außer Frage, dass der Bedeutung einer solchen Stadt auch durch das Vorhandensein wichtiger Institutionen Rechnung getragen werden muss. Diesbezüglich hat die Justiz einen beachtlichen Beitrag geleistet. Ich darf insoweit auf das Justizzentrum verweisen, unter dessen Dach sich das Landgericht, das Amtsgericht, das Arbeitsgericht, das Sozialgericht, das Verwaltungsgericht und die Staatsanwaltschaft befinden. Zwar gehört auch der Justizvollzug zur großen Justizfamilie, doch war für ihn dort leider kein Platz. Ganz im Gegenteil hat erst die Aufgabe der ehemaligen Zweiganstalt am Adalbertsteinweg im Jahr 2004 den Bau des Justizzentrums möglich gemacht.

Zu diesem Zeitpunkt war hier in der Soers seit fast zehn Jahren ein deutlich besser geeigneter Standort in Betrieb, was zu einem längeren Nebeneinander eben dieser hier errichteten JVA Aachen „neu“ und der JVA Aachen „alt“ am Adalbertsteinweg führte.

„Aachen alt“ lautete damals die intern gebräuchliche Bezeichnung, denn kaum jemand mochte das in jeder Hinsicht geschichts- und geschichtenreiche Gefängnis zu einer schlichten „Zweiganstalt“ herabgestuft wissen.

Als es Anfang 2004 schließlich zu ihrer endgültiger Schließung kam, erfüllte der Verlust des alten Gefängnisses wohl die meisten der bis dahin dort eingesetzten Kolleginnen und Kollegen mit Wehmut, obgleich der Umzug diese in ein ganz neu errichtetes modernes Hafthaus führte - wenn man so will: in eine „JVA Aachen ganz neu“-, während die bereits in Betrieb befindliche ehemals neue Anstalt bereits erste Abnutzungsspuren erkennen ließ.

Warum eigentlich dieser Blick zurück?
Die Antwort fällt leicht: Wenn man der Bedeutung der Justizvollzugsanstalt Aachen gerecht werden möchte, darf man ihre Entstehungsgeschichte nicht ausblenden. Denn sie war prägend. Diese Einrichtung ist eben kein lupenreiner Neubau sondern eher das Produkt einer mehraktigen Zusammenführung von ‚Alt‘ und ‚Neu‘. Dies gilt auch für das Personal, weil im Zuge der Neuerrichtung der Anstalt in der Soers eine große Zahl an Neueinstellungen getätigt wurde. Unter dem Strich bestand die Kunst also gewissermaßen darin, zwei Justizvollzugsanstalten zu vereinigen, und dies war alles andere als ein leichtes Unterfangen und brauchte seine Zeit.

Schön wäre es gewesen, hätte dieser Integrationsprozess in Ruhe seinen Lauf nehmen können.
Doch leider wurde er durch Belastungen erschwert, die wir uns alle gerne erspart hätten. Ich möchte gar nicht auf die wohl hinlänglich bekannten Ereignisse eingehen sondern statt dessen viel lieber auf den angesichts einer kritischen medialen Wahrnehmung nicht hinreichend wahrgenommenen Umstand aufmerksam machen, dass unter dem Dach dieser Hochsicherheitseinrichtung ein anspruchsvoller, vielfältiger, belastender aber auch erfolgreicher Vollzug stattfindet.

Der Vollzug hier ist besonders anspruchsvoll, weil hier - auch nach dem Wegfall der Sicherungsverwahrung - alle Herausforderungen des geschlossenen Langstrafenvollzuges zu meistern sind.
Vielfältig macht ihn bereits die diversifizierte Vollstreckungszuständigkeit, aus der sich ein in der Praxis nicht einfaches Nebeneinander von Straf- und Untersuchungshaft ergibt.
Anspruchsvoll ist die Bandbreite der Behandlungsangebote, deren Spanne bis zu einer langjährig und gut etablierten großen Sozialtherapeutischen Abteilung reicht.
Belastend sind hingegen die vielfältigen vollzuglichen Anforderungen, die hier zu meistern sind. Zu diesen zählt ein ausgesprochen schwieriges Gefangenenklientel ebenso wie ein hoher Belegungsdruck.

Die gestiegene Aggressivität, vornehmlich der in Untersuchungshaft befindlichen Gefangenen, tut ihr Übriges dazu.
Es begegnet allerdings keinem Zweifel, dass die hier geleistete Arbeit auch erfolgreich ist. Wenn sich die in der Justizvollzugsanstalt Aachen inhaftierten Gefangenen auf die vielfältigen Behandlungsangebote und die engagierte Betreuungsarbeit der hier tätigen Bediensteten einlassen, merken sie rasch, dass sie beste Chancen haben, ihrem Leben eine positive Wendung zu geben.
Die Justizvollzugsanstalt Aachen braucht jedenfalls keinen Vergleich mit anderen Einrichtungen zu scheuen.

Anrede,

lassen Sie uns nun den eigentlichen Anlässen unserer heutigen Feierstunde zuwenden.

Sehr geehrte Frau Blikslager,

Sie haben im Jahr 2009 die Leitung dieser Behörde übernommen und dafür ihren Lebensmittelpunkt von Ostwestfalen ins westliche Rheinland verlegt.

Mit ihrer offenen und direkten Art haben Sie hier den richtigen Ton getroffen und sich aufgrund ihres großen Engagements, ihrer vorbildlichen Pflichterfüllung und ihrer Führungsstärke rasch den notwendigen Respekt verschafft.

Wer diesen Beruf ergreift, der weiß, dass es die Arbeit im Justizvollzug mit sich bringt, dass man mitunter ‚hart am Wind‘ segeln muss. Leider haben Sie hier in Aachen erfahren müssen, dass sich dieser Wind mit viel Pech auch zu einem Sturm entwickeln kann. Dieser weht zu allem Überfluss manchmal aus allen möglichen Richtungen, so dass man auf der Brücke kaum noch weiß, woran man sich am besten festhalten sollte. Ihm zu trotzen und Stand zu halten erfordert eine gefestigte Persönlichkeit. Dass Sie über eine solche verfügen, daran besteht kein Zweifel. Ihre Charakterfestigkeit hat es ihnen ermöglicht, auch dann stets auf die Sache fokussiert zu bleiben, wenn es persönlich wurde. Denn für Sie stand stets der Vollzug im Mittelpunkt ihres Handelns, nicht aber die eigene Person. Mit dieser Haltung war es ihnen möglich, diese Anstalt durch stürmischstes Wetter zu führen. Dies genießt allerhöchsten Respekt!

Sehr geehrte Frau Blikslager,

für Ihre langjährige Arbeit im Justizvollzug des Landes Nordrhein-Westfalen in verschiedenen Einrichtungen an verantwortlicher Stelle möchte ich Ihnen herzlich danken und dies mit meinen besten Wünschen für Ihren nächsten Lebensabschnitt verbinden.
Da ich davon ausgehe, dass Ihr Soll an Aufregung spätestens durch Ihren Einsatz hier in der Justizvollzugsanstalt Aachen übererfüllt ist, mögen Sie künftig nur noch ruhigen Zeiten entgegensehen. Sollten Sie - wider Erwarten - eines Tages dennoch einmal wieder stürmisches Wetter vermissen, so möchte ich Ihnen empfehlen, dafür einen Besuch Ihrer ostfriesischen Heimat in Erwägung zu ziehen.

Als offizieller Schlusspunkt Ihres beruflichen Wirkens ist es nun noch meine Aufgabe, Ihnen Ihre Ruhestandsurkunde auszuhändigen, wozu ich Sie gerne hierher nach vorne bitten möchte.

Vielen Dank, Frau Blikslager, nochmals alles Gute und das Wichtigste von allem: allzeit beste Gesundheit!

Sehr geehrte Frau Krüger,

bei der Einführung einer neuen Behördenleitung ist es üblich, dass man dem geneigten Publikum die häufig nur wenig bekannte, in seltenen Fällen vielleicht sogar völlig unbekannte Führungspersönlichkeit näher vorstellt.
In Ihrem Fall könnte man auf den Gedanken kommen, von einer solchen Vorstellung absehen zu können, sind Sie in der Justizvollzugsanstalt Aachen doch aus der Zeit des für junge Nachwuchsjuristinnen und -juristen im Justizvollzug obligatorischen sogenannten Einführungsumlaufs noch bestens bekannt. Da dieser Abschnitt Ihrer beruflichen Laufbahn inzwischen aber doch etwas länger zurück liegt, glaube ich das Risiko eingehen zu können, allenfalls einem kleinen Teil der hier anwesenden Festgäste etwas bereits Bekanntes zu berichten.

Geboren und aufgewachsen sind Sie in Bayern. Das Studium der Rechtswissenschaft  absolvierten Sie  zunächst in Augsburg und später in Köln, wo Sie auch Ihr Referendariat absolvierten. Nach der zweiten juristischen Staatsprüfung arbeiteten Sie zunächst bei einem Versicherungsunternehmen, ehe Sie schließlich im August 1994 in den höheren Vollzugs- und Verwaltungsdienst des Landes Nordrhein-Westfalen eintraten.

Ihre Karriere führte Sie zunächst an die Justizvollzugsanstalt Köln, der dann Einsätze bei den Justizvollzugsanstalten Aachen, und zwar in den Jahren 1995 und 1996, Willich I und dem ehemaligen Justizvollzugsamt Rheinland folgten. Im Dezember 1997 wurden Sie schließlich an die Justizvollzugsanstalt Remscheid abgeordnet und im Juni 1999 an diese Anstalt versetzt.
Und schon früh wurden Sie aufgrund Ihres von Anfang an erheblich überdurchschnittlichen Leistungsbildes mit Führungsaufgaben betraut: Zunächst als Abteilungsleiterin und nur wenige Monate nach Ihrer Probezeit als Vertreterin des Leiters der Justizvollzugsanstalt Remscheid.
Von dort aus und als Spitzenkraft Ihrer Laufbahn identifiziert wurden Sie schließlich an das Ministerium der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen und im Anschluss an die Justizvollzugsanstalt Düsseldorf abgeordnet. Und auch dort übernahmen Sie mit der Funktion der stellvertretenden Anstaltsleiterin sofort Führungsaufgaben, ja sogar für neun Monate die kommissarische Anstaltsleitung. In Düsseldorf begannen Sie gemeinsam mit dem damaligen Anstaltsleiter, LRD a.D. Lorenz, im Sommer 2004 mit der Erarbeitung eines Betriebskonzepts für den Neubau der Anstalt. Im April 2005 wurden Sie sodann Leiterin der Justizvollzugsanstalt Moers-Kapellen. Im Januar 2014 wurde Ihnen schließlich die Leitung der Justizvollzugsanstalt Düsseldorf übertragen.
Hinsichtlich der von Ihnen dort realisierten Vorhaben möchte ich beispielhaft die Einführung der Flurtelefonie oder Ihr besonderes Steckenpferd, die Arbeitstherapie, erwähnen. Die in diesem Rahmen erstellte großflächige „Häkeldecke“, über die auch die Presse umfangreich berichtet hat, ist noch in guter Erinnerung. Ob es Ihnen, sehr verehrte Frau Krüger, gelingen könnte, auch die „schweren Jungs“ der JVA Aachen ans Häkeln zu bringen, daran habe ich allerdings doch leichte Zweifel.

Mit Ihrem Wechsel an die Justizvollzugsanstalt Aachen hat sich für Sie nun gewissermaßen erneut ein Kreis geschlossen, weil Sie einmal mehr - diesmal jedoch in leitender Funktion - an eine Ihrer früheren Wirkungsstätten zurückgekehrt sind. Nun weiß ich von Ihnen, dass die örtliche Lage dieser Anstalt Ihren persönlichen Lebensumständen durchaus entgegenkommt, ist doch der eingangs erwähnte europäische Bezug dieser Stadt im Dreiländereck für Sie selbstverständlich.
Doch letztlich ist es diese große und anspruchsvolle Justizvollzugsanstalt Aachen, die den Reiz ausmacht. Diese erfolgreich zu leiten und den Vollzug hier weiterzuentwickeln ist auch bei ruhiger See keine einfache Sache - ganz sicher nichts für Leichtmatrosen!

Nun darf ich, sehr geehrte Frau Krüger, auch Sie hierher nach vorne bitten, um Ihnen Ihren Versetzungserlass auszuhändigen.

Sehr geehrte Frau Krüger,

günstige Winde, stets ausreichend vollzugliches Fahrwasser unter dem Kiel und allzeit eine sichere Hand, dies alles wünsche ich Ihnen für die vor Ihnen liegenden Aufgaben als Leiterin der Justizvollzugsanstalt Aachen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.



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