Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort des Ministers der Justiz Peter Biesenbach aus Anlass der Würdigung des Präsidenten des Finanzgerichts a.D. Johannes Haferkamp und der Amtseinführung des neuen Präsidenten des Finanzgerichts Christian Wolsztynski

29.08.2018

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude, heute mit Ihnen hier in diesem beeindruckenden Schloss den Wechsel an der Spitze des Finanzgerichts Münster feiern zu dürfen. Der bisherige Präsident, Johannes Haferkamp, ist mit Ablauf des Monats April in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Ihm heute zu danken, ist mir ein ganz besonderes Anliegen. Zugleich möchte ich seinen Nachfolger, Herrn Christian Wolsztynski, in das Amt einführen.

Sehr geehrter Herr Haferkamp,

zunächst gebühren Ihnen Dank und Anerkennung für Ihre Leistungen in der Justiz unseres Landes. Bemerkenswerte zehn Jahre haben Sie überaus erfolgreich das Finanzgericht Münster geleitet. Es hätten noch weitere Jahre hinzukommen können. Sie haben sich aber aus persönlichen Gründen entschlossen, bereits mit Wirkung vom 1. Mai 2018 in den Ruhestand zu treten. Damit haben Sie eine herausragende juristische Karriere und eine ganz besondere Präsidentschaft vollendet, die entscheidend durch Ihre ebenso leidenschaftliche wie bodenständige, geradlinige, humorvolle und faire Art gekennzeichnet war. Dieses Fazit, da bin ich mir sicher, findet nicht nur hier in Münster, sondern in der gesamten Finanzgerichtsbarkeit uneingeschränkte Zustimmung.

Wenngleich viele der hier Anwesenden Sie bestens kennen, möchte ich gleichwohl die wichtigsten Stationen Ihres Werdegangs noch einmal kurz zusammenfassen: Sie wurden im Jahre 1955 in Essen geboren, sind dort aufgewachsen und zur Schule gegangen.

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften legten Sie Ihre erste juristische Staatsprüfung 1979 in Mainz und die zweite juristische Staatsprüfung 1982 in Düsseldorf ab. Anschließend traten Sie in die Finanzverwaltung des Landes ein. Beim Finanzamt Düsseldorf-Mettmann sammelten Sie seit 1982 Ihre ersten beruflichen Erfahrungen im Steuerrecht, bevor Sie im Jahre 1986 von der zweiten zur dritten Gewalt, nämlich als Richter zum Finanzgericht Düsseldorf wechselten. Dort wurden Sie im November 1986 zunächst zum Richter kraft Auftrags und Anfang 1988 zum Richter am Finanzgericht ernannt. Im November 2001 folgte Ihre Ernennung zum Vorsitzenden Richter am Finanzgericht. Und als im September 2007 die Stelle des Vizepräsidenten des Finanzgerichts Düsseldorf zu besetzen war, waren Sie – das darf ich hier sagen – nicht nur der Wunschkandidat des dortigen Präsidenten. Alle, die mit Ihnen beruflich in der Vergangenheit zu tun gehabt hatten, waren voll des Lobes. Immer wieder wurde Ihre meisterhafte Verhandlungsführung wie auch im Allgemeinen Ihr direkter, offener und unprätentiöser Umgang mit Ihren Kolleginnen und Kollegen hervorgehoben.

Ich brauche nicht besonders hervorzuheben, dass Sie am Finanzgericht Düsseldorf schon vor Ihrer Ernennung zum Vizepräsidenten auf eine langjährige, breite und erfolgreiche Tätigkeit als richterlicher Verwaltungsdezernent zurückblicken konnten. Namentlich als Organisationsdezernent haben Sie die Arbeitsabläufe im Gericht maßgeblich fortentwickelt.

Blickt man nun auf diesen Teil Ihrer Biographie zurück, so lässt sich feststellen, dass sich Ihr Leben bis dahin - beruflich wie privat - ganz überwiegend im Rheinland abgespielt hatte. Dann aber kam der Tag, der vieles veränderte: Es war der 1. Mai des Jahres 2008! Der Rheinländer Johannes Haferkamp verließ das Finanzgericht Düsseldorf und nahm seinen neuen dienstlichen Wohnsitz im westfälischen Münster, wo er zum Präsidenten des hiesigen Gerichts ernannt wurde. Wir alle kennen die mehr oder weniger freundlichen Witze, die zwischen Rheinländern und Westfalen - jeweils über den anderen - ausgetauscht werden. Und manch einer hier in Münster mag ernstliche Zweifel gehabt haben, ob das mit einem Rheinländer überhaupt gut gehen könne - hier in Westfalen. Ich denke, lieber Herr Haferkamp, diese Zweifel haben Sie seinerzeit ganz schnell zerstreuen können.

Ihr sofortiger und unermüdlicher Einsatz für die Belange des Finanzgerichts Münster hat Sie ganz schnell zu einem echten Angehörigen dieses Hauses werden lassen. Ihre Integrationsbereitschaft und Ihre Integrationskraft standen bereits kurz nach Ihrem Amtsantritt außer Frage. Beide Eigenschaften haben Sie im Übrigen auch in dem von Ihnen geleiteten 4. Senat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, der stets als Einheit auftrat. Das ging   wenn Sie mir diese kleine Indiskretion gestatten   sogar so weit, dass Sie und Ihre Senatskollegen dieselbe Frisörin besuchten. Ich habe mir sagen lassen, dass sie „Simone“ heißt und ihr „Haarstudio“ hier in Münster führt.

Sehr geehrter Herr Haferkamp,

man wird sicher sagen können, dass Sie das Amt des Präsidenten des Finanzgerichts mit besonderer, ja außergewöhnlicher Leidenschaft ausgeübt und ausgefüllt haben. Ihr Elan, Ihr Gestaltungswille in allen Fragen der Modernisierung der Justiz und Ihre damit verbundene starke berufliche Inanspruchnahme haben wahrscheinlich dazu geführt, dass Sie private Interessen oft zurückstellen mussten. Gleichwohl weiß ich, dass Sie zwei außerdienstliche Leidenschaften nie aus dem Blick verloren haben:

Eine dieser Leidenschaften, die ich hier hervorheben möchte, gehört den Pferden. Sie - und im Übrigen auch Ihre Ehefrau und Ihre Kinder - sind fasziniert vom Reitsport. Ihre Familie ist deshalb stolzer Besitzer mehrerer Pferde. Der Weg zu ihnen ist nicht weit, denn Sie halten sie auf Ihrem Hof in Essen, den Sie von ihren Eltern übernommen hatten und den Sie nach wie vor bewohnen. Natürlich zeigt sich Ihre Pferdeliebe auch in den vielen Reitsportveranstaltungen, die sie besuchen; insbesondere den Weg nach Aachen zum CHIO - zum sog. Weltfest des Pferdesports - haben Sie und Ihre Familie oft und gerne auf sich genommen.

Auch eine zweite private Leidenschaft kann hier nicht unerwähnt bleiben. Sie heißt Borussia Mönchengladbach. Dieser Verein hat Sie in den 1970er-Jahren elektrisiert. Grund hierfür waren natürlich die vielen Erfolge, die die Fohlenelf damals erzielen konnte; und die großartigen Spieler dieser Zeit wie Jupp Heynckes und Günter Netzer. Aus diesem Grunde hatte der VfL nicht nur rund um den Bökelberg, sondern in ganz Deutschland und natürlich auch im Münsterland viele Anhänger gefunden. Ein Club übrigens, dem Sie - Herr Haferkamp - auch in schwierigen Zeiten stets die Treue gehalten haben.

Lieber Herr Haferkamp,

für Ihr langjähriges Wirken im Dienst der Justiz unseres Landes danke ich Ihnen sehr herzlich. Ich wünsche Ihnen für Ihren wohlverdienten Ruhestand alles erdenklich Gute, vor allem Gesundheit und noch viele glückliche Stunden mit Ihrer Ehefrau, Ihren Kindern und allen Menschen, die Ihnen sonst am Herzen liegen!

Sehr geehrter Herr Wolsztynski,

mit dem heutigen Tag treten Sie an die Spitze des Finanzgerichts Münster. Ich freue mich sehr, dass ich heute für die Landesregierung die Aufgabe wahrnehmen darf, Sie zum neuen Präsidenten dieses Gerichts zu ernennen. Zuvor möchte ich aber auch Ihren Lebensweg kurz skizzieren.

Sie, lieber Herr Wolsztynski, wurden 1969 in Dortmund geboren. In Ihrer Geburtsstadt wuchsen Sie auch auf und erwarben dort im Mai 1989 die allgemeine Hochschulreife. Im August 1989 traten Sie in den gehobenen nichttechnischen Dienst der Finanzverwaltung unseres Landes ein; und drei Jahre später - im August 1992 - schlossen Sie die Ausbildung mit der Laufbahnprüfung ab.

Unmittelbar im Anschluss daran wurden Sie zum Steuerinspektor z.A. bei dem Finanzamt Dortmund-Unna ernannt.

Das Studium der Rechtswissenschaften nahmen Sie zum Winterssemester 1992/1993 an der Ruhr-Universität Bochum auf, der Sie bis zum Studienende die Treue hielten. Im Dezember 1997 bestanden Sie die erste juristische Staatsprüfung in Düsseldorf, im August 2004 - ebenfalls in unserer Landeshauptstadt - die zweite Staatsprüfung.

Nach kurzer weiterer Tätigkeit in der Finanzverwaltung traten Sie im Mai 2005   hier in Münster   als Richter auf Probe in die Finanzgerichtsbarkeit ein. Bereits im Vorstellungsgespräch einige Monate zuvor hatten Sie - so steht es in Ihren Personalakten - einen „vorzüglichen Eindruck hinterlassen“. Ihre Verplanung zum Lebenszeitrichter folgte dann am 1. Januar 2008.

Im Jahre 2011 zog es Sie beruflich für drei Jahre nach Düsseldorf, und zwar in das Justizministerium, in das Sie bis Ende Oktober 2014 abgeordnet waren.

In dieser Zeit leiteten Sie das Referat Z 4, in dem Sie unter anderem mit den Personalangelegenheiten der Richterinnen und Richter der Finanzgerichtsbarkeit und der Verwaltungsgerichtsbarkeit unseres Landes befasst waren. Ihr besonderes Interesse galt allen Fragen der Personalentwicklung. Hier haben Sie sich besondere Verdienste erworben und ein besonderes Augenmerk auf die Auswirkungen des demografischen Wandels gerichtet. Im November 2014 kehrten Sie zum Finanzgericht Münster zurück und wurden dort zum Vorsitzenden Richter ernannt.

Selbstverständlich brauche ich auch bei Ihnen nicht hervorzuheben, dass Sie sowohl vor als auch nach Ihrer Abordnung auf eine langjährige, breite und erfolgreiche Tätigkeit als richterlicher Verwaltungsdezernent zurückblicken können. Hier all die Aufgaben aufzuführen, die Sie im Rahmen Ihrer Richterlaufbahn in der Gerichtsverwaltung wahrgenommen haben, würde an dieser Stelle zu weit führen. Erwähnen möchte ich aber zumindest die besonders bedeutsamen und von Ihnen stets hervorragend erfüllten Aufgaben als Personal- und als Organisationsdezernent.

Hinweisen möchte ich schließlich auf Ihr besonderes Engagement in der Juristenausbildung.
So unterstützen Sie beispielsweise seit Jahren das Landesjustizprüfungsamt als Prüfer für die zweite juristische Staatsprüfung.

Sehr geehrter Herr Wolsztynski,

Ihren beeindruckenden beruflichen Werdegang habe ich soeben skizziert. Ich möchte nun aber auch einige Worte über Sie persönlich sagen: Sie sind ein Kind des Ruhrgebiets, aufgewachsen in dieser starken Region an Rhein und Ruhr mit deutlich mehr als fünf Millionen Einwohnern; und auch heute leben Sie mit Ihrer Ehefrau nicht allzu weit davon entfernt in Nordkirchen/Capelle südlich von Münster. Bei dieser Biographie verwundert es nicht, dass ihr Herz für den Fußball schlägt. Und ebenso wenig überrascht es, dass Sie Anhänger von Borussia Dortmund sind, diesem großen Verein aus Ihrer Geburtsstadt. Ich weiß allerdings, dass dies nicht immer so war. In Ihrer Jugend sympathisierten Sie nämlich zunächst mit dem VfB Stuttgart und mit den dort seinerzeit aktiven Fußballgrößen wie Hansi Müller. Etwas später aber entwickelte sich dann doch noch Ihre Zuneigung für den BvB, mit dem Sie nun schon seit vielen Jahrzehnten mitfiebern.

Vielleicht   so könnte ich mir jedenfalls vorstellen   drücken Sie aber auch heute noch manchmal dem VfB die Daumen.

Auch eine zweite Leidenschaft möchte ich hier noch kurz erwähnen. Es ist das Reisen! Insbesondere das Bergwandern hat es Ihnen angetan. Deshalb haben Sie Ihre Urlaube schon häufiger in Südtirol verbracht, wo Sie die vorzüglichen Wanderwege genutzt und dabei die Ruhe und die grandiose Berglandschaft in dieser Region genossen haben.

Sehr geehrter Herr Wolsztynski,

dem Finanzgericht Münster bleibt mit Ihnen ein exzellenter Jurist und Verwaltungsfachmann erhalten. Das Gericht gewinnt aber auch einen Präsidenten mit beeindruckenden Führungsqualitäten, der pflichtbewusst, hilfsbereit, bodenständig und stets einfühlsam handelt - und der den Zusammenhalt im Gericht niemals aus dem Blick verlieren wird. Ich bin mir deshalb sicher, dass Sie genau der Richtige für die auf Sie wartenden Aufgaben sind!

Sehr geehrter Herr Haferkamp, sehr geehrter Herr Wolsztynski,

ich darf Sie nun beide zu mir bitten, damit ich Ihnen   Herr Haferkamp   noch einmal persönlich danken kann, und Ihnen   Herr Wolsztynski   Ihre Ernennungsurkunde aushändigen kann.

Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, danke ich für Ihre Aufmerksamkeit.

Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@jm.nrw.de