Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort des Ministers der Justiz Peter Biesenbach anlässlich der Würdigung des Präsidenten des Verwaltungsgerichts a.D. Berndhard Fessler und der Amtseinführung des neuen Präsidenten des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen Dr. Siegbert Gatawis

02.04.2019

Es gilt das gesprochene Wort!

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude, mit Ihnen hier im „Musiktheater im Revier“ den Wechsel an der Spitze des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen feiern zu dürfen. Der bisherige Präsident, Bernhard Fessler, ist vorgestern in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Ihm heute zu danken, ist mir ein besonderes Anliegen. Zugleich möchte ich seinen Nachfolger, Herrn Dr. Siegbert Gatawis, in sein neues Amt einführen.

Sehr geehrter Herr Fessler,

zunächst gebühren Ihnen Dank und Anerkennung für Ihre Leistungen in der Justiz unseres Landes. Bemerkenswerte 18 Jahre (und ein paar Monate) haben Sie das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen geleitet. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass mit Ihrem Eintritt in den Ruhestand eine „Ära“ zu Ende geht. Mit Ihrem beruflichen Abschied hat sich nicht nur eine herausragende juristische Karriere vollendet, sondern zugleich eine ganz besondere Präsidentschaft, die entscheidend durch Ihre ebenso pflichtbewusste wie geradlinige Art gekennzeichnet war. Dieses Fazit, da bin ich mir sicher, findet nicht nur hier in Gelsenkirchen, sondern in der gesamten Verwaltungsgerichtsbarkeit uneingeschränkte Zustimmung.

Wenngleich viele der hier Anwesenden Sie bestens kennen, möchte ich an dieser Stelle noch einmal kurz die wichtigsten Stationen Ihres Werdegangs zusammenfassen:

Sie wurden 1953 in Düsseldorf geboren, sind dort bzw. in der näheren Umgebung aufgewachsen und haben 1971 an einem Gymnasium in Neuss Ihre Reifeprüfung abgelegt. Und weil Sie aus einer Bankerfamilie stammen - Ihr Vater, Ernst Fessler, war viele Jahre Präsident der nordrhein-westfälischen Landeszentralbank -, haben Sie sich nach dem Abitur bei einem großen deutschen Kreditinstitut [der Deutschen Bank] zum Bankkaufmann ausbilden lassen. Nach dem sich anschließenden Wehrdienst studierten Sie (neben katholischer Theologie) Rechtswissenschaften in Freiburg und Bonn. 1979 legten Sie - in Köln - die erste juristische Staatsprüfung und 1982   in Düsseldorf   die zweite juristische Staatsprüfung ab.

Wenige Wochen danach wurden sie in den richterlichen Probedienst am Verwaltungsgericht Düsseldorf übernommen und drei Jahre später zum Richter am Verwaltungsgericht ernannt. Im Juni 1989 folgte nach außerordentlich erfolgreicher Erprobung Ihre Ernennung zum Richter am Oberverwaltungsgericht. Und schon im Oktober 1995, im Alter von gerade einmal 42 Jahren, wurden Sie Vorsitzender Richter am Oberverwaltungsgericht.

Als ein paar Jahre später - im Februar 2001 - die Stelle des Präsidenten des Verwaltungsgerichts in Gelsenkirchen zu besetzen war, waren Sie   das darf ich hier sagen   nicht nur der Wunschkandidat des damaligen Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts. Es waren vielmehr alle, die mit Ihnen beruflich in der Vergangenheit zu tun gehabt hatten, voll des Lobes über Sie. Vor allem Ihre Fachkompetenz und Ihre blitzgescheite Auffassungsgabe wurden immer wieder angeführt.

Ich muss in diesem Zusammenhang nicht besonders hervorheben, dass Sie vor Ihrer Ernennung zum Präsidenten auf eine erfolgreiche Tätigkeit als richterlicher Verwaltungsdezernent zurückblicken konnten. Namentlich als Personaldezernent des Oberverwaltungsgerichts haben Sie die nordrhein-westfälische Verwaltungsgerichtsbarkeit in den 1990er-Jahren maßgeblich mitgeprägt.

Blickt man nun auf all dies zurück, so lässt sich feststellen, dass sich Ihr Leben bis dahin - beruflich wie privat - nicht im Ruhrgebiet abgespielt hatte. Dann aber kam der Tag, an dem sich das änderte: Es war der 1. Februar des Jahres 2001!

Bernhard Fessler verließ das Oberverwaltungsgericht in Münster und nahm seinen neuen dienstlichen Wohnsitz in Gelsenkirchen, wo er zum Präsidenten des hiesigen Verwaltungsgerichts ernannt wurde.

Hier in Gelsenkirchen mag manch einer Zweifel gehabt haben, ob es mit einem - weiterhin in Münster lebenden Düsseldorfer überhaupt gut gehen könne im Herzen des Ruhrgebiets. Ich denke aber, lieber Herr Fessler, dass Sie diese Zweifel seinerzeit schnell haben ausräumen können. Ihr sofortiger und unermüdlicher Einsatz für die Belange des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen - auch und gerade für die Personalentwicklung Ihrer Richterinnen und Richter - hat Sie ganz schnell zu einem echten Angehörigen dieses Hauses werden lassen. Ihre Autorität stand deshalb bereits kurz nach Ihrem Amtsantritt außer Frage.

Sehr geehrter Herr Fessler,

man wird sicher sagen können, dass Sie das Amt des Präsidenten des Verwaltungsgerichts mit besonderem, ja außergewöhnlichem Pflichtbewusstsein ausgeübt haben. Ihre damit verbundene starke berufliche Inanspruchnahme hat wahrscheinlich dazu geführt, dass private Interessen oft zurückstehen mussten.

Gleichwohl weiß ich, dass Sie ein paar außerdienstliche Leidenschaften nie aus dem Blick verloren haben.

Eine dieser Leidenschaften, die ich hier hervorheben möchte, gehört dem Reisen, und zwar oft und gerne mit dem Fahrrad. So haben Sie   regelmäßig mit Mitgliedern Ihrer Familie   schon unzählige Radtouren quer durchs gesamte Bundesgebiet unternommen und in diesem Rahmen Ihren außerordentlich breit gefächerten kulturellen und historischen Interessen nachgehen können.

Auch eine zweite private Leidenschaft kann nicht unerwähnt bleiben. Sie heißt Fußball! So haben Sie in den 1990er Jahren mit außerordentlichem Engagement für die Fußballmannschaft des Oberverwaltungsgerichts gespielt und mit diesem Team an den jährlichen Turnieren der nordrhein-westfälischen Verwaltungsgerichtsbarkeit teilgenommen. Nach Ihrem Wechsel an das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen mussten Sie Ihre aktive Laufbahn wegen einer (Achillessehnen)Verletzung beenden. Ihre - neue - Mannschaft haben Sie dann aber einfach als Anhänger weiter unterstützt.

Und als „erster Fan“ dieser Truppe sorgten Sie dafür, dass Ihren Mistreitern auf den Abendveranstaltungen nach den Spielen stets die besten Plätze im Saal vorbehalten blieben, indem Sie diese Tische einfach vorab mit einem Schalke-Schal „reservierten“. Stehen - so wurde mir versichert - musste deshalb nie ein Gelsenkirchener.

Lieber Herr Fessler,

für Ihr langjähriges Wirken im Dienste der Justiz unseres Landes danke ich Ihnen sehr herzlich. Ich wünsche Ihnen für Ihren wohlverdienten Ruhestand alles erdenklich Gute, vor allem Gesundheit und noch viele glückliche Stunden mit Ihrer Ehefrau, Ihren Kindern und allen Menschen, die Ihnen sonst am Herzen liegen!

Sehr geehrter Herr Dr. Gatawis,

mit dem heutigen Tag treten Sie an die Spitze des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen. Ich freue mich sehr, dass ich für die Landesregierung die Aufgabe wahrnehmen darf, Sie zum neuen Präsidenten dieses Gerichts zu ernennen. Mit Ihrer Ernennung kehren Sie - nach einer längeren Tätigkeit bei dem Oberverwaltungsgericht - dorthin zurück, wo Ihre berufliche Karriere einst ihren Ausgang genommen hatte.

Mit Blick auf diese beiden Stationen und die dort wahrgenommen Aufgaben sind auch Sie vielen der hier Anwesenden bestens vertraut. Gleichwohl möchte ich in Ihrem Falle ebenfalls die Gelegenheit wahrnahmen, Ihren Lebensweg noch einmal kurz zu skizzieren:

Sie, lieber Herr Dr. Gatawis, wurden 1971 in Herne geboren. In Ihrer Geburtsstadt wuchsen Sie auch auf und erwarben die allgemeine Hochschulreife. Im Anschluss begannen Sie das Studium der Rechtswissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum, der Sie bis zum erfolgreichen Studienabschluss die Treue hielten. Nach Bestehen der ersten juristischen Staatsprüfung absolvierten Sie an der Universität Cambridge ein einjähriges Postgraduierten-Studium mit dem Abschluss „Master of Law (LL.M.)“. Und nach Ihrer Rückkehr aus Großbritannien fertigten Sie Ihre - von der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster ausgezeichnete - Dissertation zum Thema „Grundfragen eines europäischen Raumordnungsrechts“. Nach der zweiten juristischen Staatsprüfung und kurzer anwaltlicher Tätigkeit traten Sie im August 2003 am hiesigen Verwaltungsgericht als Richter auf Probe in den richterlichen Dienst. Ihre Verplanung zum Lebenszeitrichter folgte im Mai 2006. Später zog es Sie beruflich nach Münster zum Oberverwaltungsgericht.

Dort wurden Sie im Mai 2010 - ebenfalls nach sehr erfolgreicher Erprobung - zum Richter am Oberverwaltungsgericht und im März 2018 zum Vorsitzenden Richter am Oberverwaltungsgericht ernannt.

Selbstverständlich brauche ich nicht hervorzuheben, dass auch Sie   vor allem in Ihrer Zeit beim Oberverwaltungsgericht   auf eine langjährige, breite und erfolgreiche Tätigkeit als richterlicher Verwaltungsdezernent zurückblicken können. Auch Sie waren als Personaldezernent viele Jahre mit den Angelegenheiten der Richterinnen und Richter der Verwaltungsgerichtsbarkeit befasst. Insbesondere seit den Jahren 2015/2016, in denen wegen der außerordentlich vielen gerichtlichen Asylverfahren (auch) das richterliche Personal deutlich aufgestockt wurde, haben Sie sich außerordentliche Verdienste um die Verwaltungsgerichtsbarkeit erworben. Neben den zahlreichen Neueinstellungen von Nachwuchskräften haben Sie die vielen [etwa 50] Abordnungen von Richterinnen und Richtern aus anderen Gerichtsbarkeiten maßgeblich mitverantwortet. Die daraus folgende Arbeitslast haben Sie mit Ihrem Team souverän bewältigt.

Sehr geehrter Herr Dr. Gatawis,

Ihren beeindruckenden beruflichen Werdegang habe ich soeben skizziert. Ich möchte nun aber auch einige persönliche Worte über Sie sagen:

Sie sind ein Kind des Ruhrgebiets, aufgewachsen in dieser starken Region an Rhein und Ruhr mit ihren mehr als fünf Millionen Einwohnern. Und auch heute noch leben Sie mit Ihrer Ehefrau und Ihren Kindern in Ihrer Geburts- und Heimatstadt Herne. Bei dieser Biographie verwundert es nicht, dass ihr Herz ebenfalls für den Fußball schlägt. Und ich kann es an diesem Ort, in dieser Stadt, leider nicht unerwähnt lassen: Sie sind treuer Anhänger von Borussia Dortmund! Ich bin mir aber sicher, dass Ihnen dies in der Heimatstadt des FC Schalke 04 niemand wirklich übel nehmen wird.

Auch eine zweite Leidenschaft möchte ich hier noch kurz erwähnen. Es ist die Musik! Diese Liebe hätte Sie nach dem Abitur beinahe dazu bewogen, Kirchenmusik zu studieren, um anschließend eine Karriere als Berufsmusiker einschlagen zu können. Letztlich haben Sie sich dann aber doch für die Juristerei entschieden. Der Musik sind Sie gleichwohl bis zum heutigen Tage treu geblieben.

So sind Sie seit vielen Jahren Organist der evangelischen (Stephanus-)Kirchengemeinde in Herne-Holsterhausen. Als „echter Personaler“ haben Sie selbstverständlich die hierfür erforderliche Nebentätigkeitsgenehmigung eingeholt, wie ich Ihrer Personalakte entnehmen konnte.

Sehr geehrter Herr Dr. Gatawis,

das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen gewinnt mit Ihnen einen exzellenten Juristen und Verwaltungsfachmann. Es gewinnt aber auch einen Präsidenten mit beeindruckenden Führungsqualitäten, der pflichtbewusst, zielstrebig, bodenständig und gelassen handelt, der das Herz am rechten Fleck hat und der den Zusammenhalt im Gericht niemals aus dem Blick verlieren wird. Ich bin mir deshalb sicher, dass Sie genau der Richtige für die auf Sie wartenden Aufgaben sind!

Sehr geehrter Herr Fessler, sehr geehrter Herr Dr. Gatawis,

ich darf Sie nun beide zu mir bitten, damit ich Ihnen Herr Fessler Ihre Ruhestandsurkunde und Ihnen Herr Dr. Gatawis Ihre Ernennungsurkunde aushändigen kann.

Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, danke ich für Ihre Aufmerksamkeit!



Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@jm.nrw.de