Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort des Ministers der Justiz Peter Biesenbach zur Amtseinführung des Leiters der Justizvollzugsanstalt Werl, Leitender Regierungsdirektor Thomas König, und Würdigung seiner Amtsvorgängerin, Leitende Regierungsdirektorin Maria Look

08.07.2019

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

es freut mich sehr, Sie heute hier in der Justizvollzugsanstalt Werl begrüßen zu dürfen, um mit Ihnen gemeinsam den künftigen Leiter dieser Behörde, Herrn Leitenden Regierungsdirektor Thomas König, feierlich in sein neues Amt einzuführen. Zugleich möchte ich aber auch nicht die Gelegenheit versäumen, seine Amtsvorgängerin, Frau Leitende Regierungsdirektorin a. D. Maria Look, an ihrer letzten dienstlichen Wirkungsstätte willkommen zu heißen. Gerade einmal eine gute Woche ist es her, dass Sie sich von der Justizvollzugsanstalt Werl und damit zugleich aus dem aktiven Dienstleben in den Ruhestand verabschiedet haben. Insofern hat sich Ihr heutiges Eintreffen in Werl vermutlich noch ein wenig nach Alltag angefühlt. Aber alltäglich ist es sicher nicht, was Sie, sehr geehrte Frau Look in fast 37 Dienstjahren im Justizvollzug geleistet und erreicht haben. Ohne Zweifel sind Sie den meisten Gästen der heutigen Feierstunde bestens bekannt. Gestatten Sie mir, dennoch einen Blick auf Ihren dienstlichen Werdegang zu werfen, um Ihr berufliches Wirken angemessen würdigen zu können.
 
Sehr geehrte Frau Look,

mit Ihrer Herkunft aus Mesum im Kreis Steinfurt sind Sie nicht nur gebürtige Westfälin. Sie sind der Region in Ihrem Dienstleben auch treu geblieben. Und wer Sie kennt, weiß, dass Sie verkörpern, was den Westfalen gern nachgesagt wird. Die Menschen in Westfalen gelten als bodenständig und anpackend. Schon legendär ist die westfälische Direktheit. Der Westfale hält sich nicht gern mit Geplänkel auf. Er ist zielstrebig und bringt Anliegen auf den Punkt. Dies, sehr geehrte Frau Look, hat die Zusammenarbeit mit Ihnen stets in besonderer Weise ausgezeichnet und Sie zu einer überaus verlässlichen und geschätzten Ansprechpartnerin gemacht.

Nach dem Studium der Rechtswissenschaft in Münster absolvierten Sie beim Landgericht Münster Ihr Rechtsreferendariat. Im Dezember 1982 bescherten Sie sich selbst – und wie ich sagen darf auch dem Vollzug – ein „Weihnachtsgeschenk“, als Sie am 24. Dezember die Ernennungsurkunde zur Regierungsrätin annahmen und damit den Grundstein Ihrer Karriere als Vollzugsjuristin legten. Ihre ersten dienstlichen Einsätze absolvierten Sie in den Justizvollzugsanstalten Münster, Hagen und Essen. Sie sammelten bereits frühzeitig aufsichtsbehördliche Erfahrungen im damaligen Justizvollzugsamt Hamm und im Ministerium der Justiz.

Dabei machten Sie, sehr geehrte Frau Look, durch Ihre beeindruckende Energie und herausragende persönliche Kompetenz rasch auf sich aufmerksam. Sie wurden in den festen Personalstamm der westfälischen Mittelbehörde übernommen. Im Justizvollzugsamt Westfalen-Lippe waren Sie insgesamt rund 16 Jahre tätig. Sie waren dort zunächst als Dezernentin unter anderem für Haushalts- und Bauangelegenheiten zuständig. In den letzten vier Jahren Ihrer Zeit im Vollzugsamt sind Sie Abteilungsleiterin für Personal-, Organisations- und Verwaltungsangelegenheiten gewesen. Damit waren Sie die erste und blieben auch die einzige Frau in Nordrhein-Westfalen, der eine solch verantwortliche Position in einer Vollzugsmittelbehörde anvertraut worden ist. Mit Blick auf die zwischenzeitlich eingeführte Zweistufigkeit im Vollzug werden Sie dieses Alleinstellungsmerkmal wohl auch künftig behalten.

Als Frau der Tat hat es Sie aber schließlich doch zurück in die vollzugliche Praxis gezogen. Im Mai 2001 übernahmen Sie die Leitung der Justizvollzugsanstalt in Ihrer Heimatstadt Münster. Über 13 Jahre prägten Sie den Justizvollzug in Münster, gaben ihm ein Gesicht und eine Stimme. Für viele schien der Münsteraner Justizvollzug untrennbar mit Ihrer Person verbunden. Doch entspricht es nicht Ihrem Naturell, sich auf Erreichtem auszuruhen.
Hiervon zeugt Ihr Wechsel in die Leitung der Justizvollzugsanstalt Werl im September 2014, knapp 5 Jahre vor dem Erreichen Ihrer Ruhestandsaltersgrenze. Brachte schon Münster alle Herausforderungen, die mit der Leitung einer großen geschlossenen Justizvollzugsanstalt einhergehen, mit sich, so übernahmen Sie mit Werl eine der größten geschlossenen Justizvollzugseinrichtungen unseres Landes, die sich aufgrund der zentralen Unterbringung männlicher Sicherungsverwahrter in besonderer Weise heraushebt.

Innerhalb des Justizvollzuges spielen die Sicherungsverwahrten zwar zahlenmäßig eine eher kleine Rolle. Von den landesweit knapp 16.000 Inhaftierten sind gegenwärtig nur rund 150 Personen - ausschließlich Männer - in der Sicherungsverwahrung untergebracht. Seine Bedeutung erlangt der Vollzug der Sicherungsverwahrung aber insbesondere durch die besonderen Vorgaben, die das Bundesverfassungsgericht mit seinem wegweisenden Urteil vom 4. Mai 2011 aufgestellt hat. Die damalige und auch medial viel beachtete Entscheidung machte die grundlegende Umgestaltung der Sicherungsverwahrung notwendig. Das Gericht hat klargestellt, dass sich der Vollzug der Unterbringung in der Sicherungsverwahrung vom Vollzug der Freiheitsstrafe deutlich unterscheiden muss. Mit dem am 1. Juni 2013 in Kraft getretenen Sicherungsverwahrungsvollzugsgesetz NRW haben wir die höchstrichterlichen Vorgaben umgesetzt.
Der Schwerpunkt der landesgesetzlichen Bestimmungen liegt - wie vom Bundesverfassungsgericht gefordert - im Bereich der Behandlung. Ziel ist es, die Gefährlichkeit für die Allgemeinheit so zu mindern, dass die Vollstreckung der Maßregel möglichst bald zur Bewährung ausgesetzt oder für erledigt erklärt werden kann. Zu diesem Zweck hält der Vollzug eine Vielzahl rückfallpräventiver Behandlungsprogramme bereit. Nur beispielhaft möchte ich an dieser Stelle die Sozialtherapie oder deliktorientierte Rückfallprophylaxegruppen nennen.

Anrede,

die Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts, einen deutlichen Abstand zwischen Strafvollzug und dem Vollzug der Sicherungsverwahrung sowie die substantielle Besserstellung der Sicherungsverwahrten zu gewährleisten, hat auch die hiesige Vollzugslandschaft verändert. Mit der Inbetriebnahme des eigens hierfür errichteten Hafthauses IV im März 2016 ist die Unterbringung von Sicherungsverwahrten in Nordrhein-Westfalen hier in Werl zentralisiert worden. In Kombination mit den entwickelten Resozialisierungsprogrammen bietet unser Land nunmehr in der Justizvollzugsanstalt Werl ein auch bundesweit anerkanntes und qualitativ hochwertiges Behandlungssetting.

Dies gilt gleichermaßen für die in Werl ebenfalls eingerichtete Abteilung für Strafgefangene, bei denen die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung nach Verbüßung der Freiheitsstrafe bereits angeordnet oder zumindest vorbehalten ist.

Ihnen, sehr geehrte Frau Look, und den hier tätigen Bediensteten ist es in den zurückliegenden Jahren gelungen, einen von den Gerichten wiederholt bestätigten behandlungsorientierten Vollzug der Sicherungsverwahrung und der Anschluss-Sicherungsverwahrung sicherzustellen. Immer wieder waren Kreativität und entschlossenes Handeln gefragt, um den vollzuglichen Alltag mit dieser gleichsam schwierigen wie selbstbewussten Klientel zu meistern. Dafür gebührt Ihnen und allen Kolleginnen und Kollegen, die hier in Werl in den letzten Jahren so verantwortungsvoll und tatkräftig alle anfallenden Aufgaben erfolgreich bewältigt haben, mein tiefer Respekt und ausdrücklicher Dank.

Sehr geehrte Frau Look,

auch insgesamt möchte ich Ihnen für Ihr langjähriges, zupackendes und wirkungsvolles Schaffen im Justizvollzug unseres Landes von Herzen danken. Mit Ihnen verliert der Vollzug eine seiner engagiertesten Fürsprecherinnen. Für den vor Ihnen liegenden Lebensabschnitt wünsche ich Ihnen Gesundheit, persönliches Wohlergehen und weiterhin die Vitalität, die Ihr bisheriges Wirken stets ausgezeichnet hat!
Als sichtbares Zeichen des Endes Ihrer aktiven Dienstzeit möchte ich Ihnen nun Ihre Ruhestandsurkunde aushändigen, wozu ich Sie gerne hierher nach vorn bitten möchte.

Vielen Dank, liebe Frau Look, nochmals alles Gute und das Wichtigste von allem: allzeit beste Gesundheit!

Damit möchte ich nun überleiten zu dem zweiten Anlass unserer heutigen Veranstaltung, der Begrüßung des neuen Leiters dieser Behörde. Es ist mir eine große Freude, Sie, sehr geehrter Herr König, heute in Ihr neues Amt als Leiter der Justizvollzugsanstalt Werl einzuführen. Aber zuvor möchte ich Ihnen gern nachträglich zum Geburtstag gratulieren! Vergangenen Donnerstag haben Sie „gerundet“, wie man so schön sagt, und Ihren 60. Geburtstag gefeiert. Dazu auch von mir meine herzlichsten Glückwünsche!

Für Sie, sehr geehrter Herr König, ist der heutige Tag eine Rückkehr. Sie haben – mit kürzeren Unterbrechungen – bereits 19 Jahre Ihrer insgesamt 30-jährigen vollzuglichen Dienstzeit hier in der Justizvollzugsanstalt Werl verbracht, den überwiegenden Teil dieser Zeit als Stellvertreter des Anstaltsleiters.

Insoweit erscheint es nur folgerichtig, mit der heutigen Rückkehr als Anstaltsleiter den Kreis zu schließen. Den meisten der heute Anwesenden werden Sie gut bekannt sein. Ich möchte dennoch die Gelegenheit nutzen, zunächst kurz Ihren Werdegang zu schildern.

Sie sind in Hagen geboren und aufgewachsen. Nach Schule und Grundwehrdienst entschieden Sie sich für ein Studium der Rechtswissenschaft, welches Sie 1979  zunächst an der Universität in Saarbrücken, später in Münster absolvierten. Nach dem  Rechtsreferendariat waren Sie kurz anwaltlich tätig, bevor Sie sich dem nordrhein-westfälischen Justizvollzug zuwandten. Im Juli 1989 wurden Sie als Vollzugsjurist im höheren Vollzugs- und Verwaltungsdienst eingestellt. Erste Berufserfahrungen sammelten Sie in den Justizvollzugsanstalten Iserlohn, Hagen und Werl sowie in zwei Aufsichtsbehörden, dem damaligen Justizvollzugsamt Westfalen-Lippe und dem nordrhein-westfälischen Ministerium der Justiz. 1991 wurde die Justizvollzugsanstalt Werl erstmals zu Ihrer Stammanstalt und blieb dies für etwa 8 Jahre.

Durch Ihre hohe juristische Professionalität sowie Ihre von herausragender Gründlichkeit gekennzeichnete Arbeitsweise konnten Sie schnell überzeugen.

Nach kaum 6-jähriger Dienstzeit wurden Sie hier in Werl erstmals in die unmittelbaren Anstaltsleitungsaufgaben eingebunden, als Sie ab Januar 1995 über einen Zeitraum von fast zwei Jahren wiederholt vertretungsweise die Aufgaben des ständigen Anstaltsleitervertreters übernahmen.

Im September 1999 wechselten Sie an das seinerzeitige Justizvollzugsamt Westfalen-Lippe, wo Sie fast 2 ½ Jahre als Vollzugsdezernent tätig waren. Auch hier haben Sie sich aufgrund Ihrer exzellenten Fachlichkeit rasch zu einem gesuchten und kompetenten Ansprechpartner für die Justizvollzugsanstalten Ihres Zuständigkeitsbereichs entwickelt. In der Funktion des ständigen Anstaltsleitervertreters kehrten Sie im Januar 2002 von der Mittelbehörde an die Justizvollzugsanstalt Werl zurück. Diese Stelle hatten Sie – wiederum mit kürzeren Unterbrechungen - 11 Jahre lang inne. Trotz der ohnehin hohen Arbeitsbelastung, die schon Ihr originäres Aufgabengebiet mit sich brachte, waren Sie stets bereit, bei Bedarf andere zu unterstützen und zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. So haben Sie beispielsweise von Juli 2008 bis Oktober 2010 in Zeiten der Abwesenheit des Leiters des Justizvollzugskrankenhauses wiederholt dessen Vertretung wahrgenommen. Lassen Sie mich dies nur als einen Beleg für die hohe Einsatzbereitschaft anführen, die Ihr dienstliches Wirken kennzeichnet.

Im Januar 2013 schließlich wurde Ihnen, sehr geehrter Herr König, eine eigene Anstaltsleitung anvertraut. In der Justizvollzugsanstalt Bochum übernahmen Sie die Leitung einer ebenfalls sehr großen und sicherlich nicht einfachen geschlossenen Vollzugsanstalt. Die Geschicke der Justizvollzugsanstalt Bochum haben Sie mit großem Engagement und souverän gelenkt. Daher sehe ich Sie heute für die vor Ihnen liegenden Aufgaben bestens vorbereitet.

Zumal sich mit der Übernahme der Verantwortung für den Justizvollzug in Werl für Sie, sehr geehrter Herr König, auch in anderer Weise ein Kreis schließt.

Während Ihrer früheren Tätigkeit hier waren Sie als Vollzugsabteilungsleiter auch für die Abteilung der Sicherungsverwahrten zuständig. Durch Ihre praktische Tätigkeit  haben Sie sich schon früh den Ruf als anerkannter Experte auf dem Gebiet der Sicherungsverwahrung erarbeitet. Und Sie haben diese Expertise durch konzeptionelle Befassung mit der Materie vertieft. Als Mitglied in mehreren, auch länderübergreifenden, Projektgruppen arbeiteten Sie aktiv mit an der umfassenden Neuausrichtung der Sicherungsverwahrung, die aufgrund der eingangs erwähnten höchstrichterlichen Rechtsprechung erforderlich geworden war. Damit haben Sie sich auch bundesweit einen Namen als Rechtsexperte für diesen Bereich erworben.
Parallel zu diesen konzeptionellen Vorarbeiten für unser heutiges Sicherungsverwahrungsvollzugsgesetz waren Sie zudem in die unmittelbare praktische Umsetzung des sog. „Abstandsgebotes“ eingebunden. Von Anfang an begleiteten Sie die Planungen für den Bau der neuen Unterbringungseinheit für Sicherungsverwahrte hier in Werl sowie für die inhaltliche Ausgestaltung des hiesigen Behandlungsangebotes.

Sehr geehrter Herr König,

sie haben damit sowohl theoretisch als auch praktisch den Grundstein für einen zeitgemäßen Behandlungsvollzug hier in Werl gelegt. Mit Ihrer Rückkehr nach Werl kommen Sie nun in den Genuss der Früchte Ihrer früheren Arbeit. Daher gebe ich die Justizvollzugsanstalt Werl mit dem guten Gefühl in Ihre Hände, dass Sie für die vor Ihnen liegenden Herausforderungen bestens gerüstet sind und das von Frau Look hier in den letzten fünf Jahren Geleistete und Initiierte erfolgreich aufgreifen und fortsetzen werden.

Nun darf ich Sie, sehr geehrter Herr König, zu mir nach vorne bitten, um Ihnen den Versetzungserlass auszuhändigen und Werl wieder zu Ihrer dienstlichen Heimat zu machen.

Sehr geehrter Herr König,

ich wünsche Ihnen für die vor Ihnen liegenden Aufgaben als Leiter der Justizvollzugsanstalt Werl viel Erfolg und eine glückliche Hand beim Lenken der Geschicke dieser Behörde.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@jm.nrw.de