Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort des Ministers der Justiz Peter Biesenbach anlässlich der Amtseinführung der Leiterin der Justizvollzugsanstalt Bochum, Karin Lammel, und Würdigung ihres Amtsvorgängers, Thomas König

08.08.2019

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

es ist mir eine große Freude, Sie heute hier in der Justizvollzugsanstalt Bochum zu begrüßen, um mit Ihnen gemeinsam die neue Leiterin dieser Behörde feierlich in Ihr künftiges Amt einzuführen. Sehr geehrte Frau Lammel, ich heiße Sie herzlich willkommen! Und herzlich begrüßen an der bisherigen dienstlichen Wirkungsstätte möchte ich auch Sie, sehr geehrter Herr König. Es freut mich, dass Sie heute persönlich erschienen sind, um den Staffelstab an Ihre Nachfolgerin zu übergeben.

Auf den Tag genau einen Monat ist es heute her, dass ich die Leitung der Justizvollzugsanstalt Werl in Ihre bewährten Hände legen konnte. Sehr geehrter Herr König, der 8. Juli war für Sie eine Rückkehr in die Behörde, die den wesentlichen Teil Ihres Berufslebens prägte. Vor diesem Hintergrund weisen beide Anlässe - die Amtseinführung in Werl und unser heutiger Termin - erstaunliche Parallelen auf. Denn auch für Sie, sehr geehrte Frau Lammel, schließt sich mit Ihrer Rückkehr in ihre langjährige dienstliche - aber auch private - Heimat Bochum ein Kreis.

Sie haben rund 16 Jahre Ihrer 26-jährigen vollzuglichen Dienstzeit in der Justizvollzugsanstalt Bochum verbracht, etwa 13 Jahre davon in verantwortlicher Position als ständige Vertreterin des Behördenleiters.

Doch dazu später mehr. Lassen Sie mich bitte zunächst das Wort an den früheren Hausherren richten.
 
Sehr geehrter Herr König,

mehr als sechs Jahre haben Sie dieser Behörde mit Erfolg und Souveränität vorgestanden und den Vollzug in Bochum geprägt. Schon aus diesem Grund werden Sie den meisten Gästen bestens bekannt sein. Und auch wenn ich erst vor einem Monat Gelegenheit hatte, einen Überblick über Ihren dienstlichen Werdegang zu vermitteln, möchte ich heute dennoch nicht mit der guten Tradition brechen, im Rahmen einer Amtseinführung auch das berufliche Wirken des Amtsvorgängers angemessen zu würdigen.

Sie stammen gebürtig aus Hagen und sind dem westfälischen Teil Nordrhein-Westfalens im Laufe Ihres Berufslebens treu geblieben. Nach dem Studium der  Rechtswissenschaften und dem juristischen Referendariat waren Sie kurz anwaltlich tätig, entschieden sich dann jedoch – glücklicher Weise wie ich heute sagen kann - für eine Tätigkeit im nordrhein-westfälischen Justizvollzug. Im Juli 1989 wurden Sie als Vollzugsjurist eingestellt. Sie sammelten erste Berufserfahrungen in den Justizvollzugsanstalten Iserlohn, Hagen und Werl sowie in zwei Aufsichtsbehörden, dem damaligen Justizvollzugsamt Westfalen-Lippe und dem nordrhein-westfälischen Ministerium der Justiz. Rasch wurde die Justizvollzugsanstalt Werl zu Ihrer dienstlichen Heimat. Hier waren Sie auch erstmals in die Aufgaben einer Behördenleitung eingebunden, als Sie nach kaum 6-jähriger Dienstzeit bereits wiederholt vertretungsweise die Geschäfte des ständigen Anstaltsleitervertreters übernommen haben. Ihre Tätigkeit in Werl wurde unterbrochen durch einen knapp 2 ½-jährigen Einsatz im Justizvollzugsamt Westfalen-Lippe, wo Sie als Vollzugsdezernent fachlicher Ansprechpartner für mehrere Anstalten waren. Als sodann fest bestellter Anstaltsleitervertreter kehrten Sie im Januar 2002 von der Mittelbehörde an die Justizvollzugsanstalt Werl zurück. Diese Stelle hatten Sie – wiederum mit kürzeren Unterbrechungen u. a. als vertretender Leiter des Justizvollzugskrankenhauses - 11 Jahre lang inne.

Sehr geehrter Herr König,

in Werl habe ich insbesondere Ihre unbestreitbaren und über Landesgrenzen hinaus anerkannten Verdienste um die Neu-Konzeptionierung der Sicherungsverwahrung hervorgehoben - Kompetenzen, durch die Sie für Ihre neue Aufgabe als Leiter der Justizvollzugsanstalt Werl geradezu prädestiniert sind.

Aber auch hier in Bochum haben Sie zweifellos Ihre Spuren hinterlassen. Im Januar 2013 wurde Ihnen die Leitung der hiesigen Anstalt anvertraut. Sie haben in den darauffolgenden 6 ½ Jahren die Geschicke dieses Hauses mit großem Engagement und sicherer Hand gelenkt. Dabei war Ihnen der unmittelbare und persönliche Kontakt mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aller Fachrichtungen stets ein besonderes Anliegen. Für Sie war es wichtig, Entscheidungen gemeinsam zu treffen und transparent zu machen. Aus diesem Bestreben heraus haben Sie das Konferenzsystem der Anstalt ausgebaut und sogenannte Dienstplangruppengespräche eingeführt. Hierbei haben Sie sich persönlich ein Bild über das Geschehen bis in die kleinsten Verästelungen des Vollzugsbetriebs hinein verschafft, den Kolleginnen und Kollegen in allen Dienstplangruppen Gehör geschenkt und sie in anstehende Veränderungen unmittelbar einbezogen. Mit diesem auf Kommunikation und Austausch beruhenden Führungsstil haben Sie sich den Respekt und die Anerkennung Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier vor Ort erarbeitet. Ich darf mich dieser Wertschätzung anschließen und Ihnen, sehr geehrter Herr König, für das in Bochum Geleistete herzlich danken.

Damit möchte ich überleiten zu dem zweiten Anlass unserer heutigen Feierstunde: der Begrüßung der neuen Leiterin dieser Behörde.

Sehr geehrte Frau Lammel,

ich freue mich, Sie heute in Ihr neues Amt als Leiterin der Justizvollzugsanstalt Bochum einführen zu dürfen. Wie eingangs erwähnt, auch für Sie ist die Übernahme der Behördenleitung hier in Bochum eine Rückkehr in die langjährige dienstliche Heimat. Deshalb mag man auf den Gedanken kommen, Ihre Vorstellung in dieser Runde sei nicht erforderlich. Doch auch hier möchte ich es mit der Tradition halten und Ihr bisheriges dienstliches Wirken durch einen kurzen Überblick zu Ihrem Werdegang würdigen.

Bochum ist in jeder erdenklichen Hinsicht Ihre Heimat, sehr geehrte Frau Lammel. Daher darf man den heutigen Tag mit Fug und Recht als Heimspiel betrachten. Sie  sind in Bochum geboren, aufgewachsen und haben hier Rechtswissenschaften studiert. Ihre vollzugliche Karriere begann im September 1993 mit Ihrer Einstellung als Vollzugsjuristin. Die zu Beginn für Nachwuchsjuristen obligatorischen Einsätze bei verschiedenen Justizvollzugseinrichtungen führten Sie unter anderem in die Justizvollzugsanstalten Castrop-Rauxel, Iserlohn, Hagen und Essen. Ein Jahr waren Sie abordnungsweise im Ministerium der Justiz tätig. Im Dezember 1997 wurde die Justizvollzugsanstalt Bochum erstmals zu Ihrem dienstlichen Stammsitz. Bereits im April 2000 sind Sie mit herausgehobenen Führungsaufgaben betraut worden. Im Rahmen einer rund 3-jährigen Abordnung an die Einweisungsanstalt Hagen übernahmen Sie die Aufgaben der Anstaltsleitervertreterin.

Nach Ihrer dort erfolgreich unter Beweis gestellten Fach- und Leitungskompetenz wurden Sie im Sommer 2003 bei Ihrer Rückkehr an die Justizvollzugsanstalt Bochum schließlich zur hiesigen ständige Vertreterin des Anstaltsleiters bestellt. Der Justizvollzugsanstalt Bochum sind Sie dann – nur unterbrochen von einem knapp 8-monatigen Einsatz als kommissarische Leiterin der Justizvollzugsanstalt Dortmund – rund 13 Jahre treu geblieben. Ihre Führungsaufgaben hier in Bochum haben Sie mit Bravour bewältigt und sich damit für Weiteres empfohlen. Im September 2016 wurde Ihnen daher die Leitung der Jugendstrafvollzugsanstalt Wuppertal-Ronsdorf übertragen.

Sehr geehrte Frau Lammel,

Sie haben die Behördenleitung in Wuppertal-Ronsdorf in einer ereignisreichen und unruhigen Zeit übernommen. Zweifellos war Ihre Aufgabe dort mit größten Herausforderungen verbunden. Sie selbst haben in einem Interview 2 Monate nach Ihrem Dienstantritt in Wuppertal die Zeit dort als „intensiv“ bezeichnet. Seither sind fast 3 Jahre vergangen. Inzwischen kann ich feststellen, Sie haben sich den Herausforderungen nicht nur mit dem Ihnen eigenen Elan und mit Fleiß gestellt, Sie haben die Herausforderungen auch vortrefflich gemeistert. Die Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Ronsdorf ist heute eine in ihren Strukturen gefestigte und funktionierende Behörde. Sie, sehr geehrte Frau Lammel, haben die Jugendstrafanstalt in ruhige Gewässer geleitet. Hierfür gebührt Ihnen mein tief empfundener Respekt und aufrichtiger Dank. Mir ist bewusst, dass ein funktionierender Vollzug niemals die Leistung einer oder eines Einzelnen allein sein kann. Insofern beziehe ich auch das Team Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Wuppertal-Ronsdorf in meinen Dank herzlich ein. Ihr Verdienst aber ist es, die Kolleginnen und Kollegen durch Zuhören und Einbinden motiviert und  mitgenommen zu haben. Auch in Zeiten höchster Arbeitsbelastung sind Sie stets ansprechbar geblieben und haben Ihre gute Laune nicht verloren. Insofern bringe ich der Justizvollzugsanstalt Bochum heute eine Leiterin mit, die nahtlos an die entwickelte Gesprächskultur anknüpfen und diese mit der ihr eigenen, gewinnenden Persönlichkeit weiterentwickeln kann.

Sehr geehrte Frau Lammel,

neben all den aufgezeigten Parallelen ist Ihr Wechsel von Wuppertal-Ronsdorf nach Bochum aber auch durch große Unterschiede gekennzeichnet. Sie waren jetzt knapp 3 Jahre Leiterin einer unserer modernsten Justizvollzugsanstalten mit einer Zuständigkeit für den Jugendvollzug. Mit Bochum übernehmen sie eine der größten geschlossenen Justizvollzugseinrichtungen unseres Landes mit über 100-jähriger Geschichte und einer Zuständigkeit für den Erwachsenenvollzug.

Schon bei der Inbetriebnahme am 01.10.1897 war das „Königlich-Preußische-Centralgefängnis“ in Bochum für 800 Gefangene ausgelegt. Diese Belegungsfähigkeit hat sich bis heute trotz zahlreicher baulicher Erweiterungen kaum geändert. Ständig fortentwickelt wurde indes die Infrastruktur der Anstalt. Im Laufe ihrer über 120-jährigen Geschichte ist die Anstalt fortlaufend saniert und baulich modernisiert worden. Dennoch hat sich die Anstalt ihren historischen Charme erhalten.
 
Grundlegend verändert hat sich im Laufe der Zeit die inhaltliche Ausgestaltung des Vollzuges. Das Ziel und den Rahmen für den heutigen und zeitgemäßen Justizvollzug gibt § 1 des Strafvollzugsgesetzes Nordrhein-Westfalen vor. Danach dient der Vollzug der Freiheitsstrafe dem Ziel, die Gefangenen zu befähigen, künftig ein Leben ohne Straftaten in sozialer Verantwortung zu führen. In den Justizvollzugseinrichtungen unseres Landes wird dementsprechend mit einem ausgeprägten Behandlungsvollzug ein nicht zu unterschätzender und wichtiger Beitrag für die Sicherheit der Gesellschaft erbracht. Sie, sehr geehrte Frau Lammel, setzen sich seit vielen Jahren mit bemerkenswerten Gestaltungswillen für einen modernen Behandlungsvollzug ein. Möge es Ihnen als Anstaltsleiterin auch hier in Bochum gemeinsam mit der Ihnen zum großen Teil noch bekannten und überaus motivierten Mannschaft gelingen, auf Vorhandenes aufzubauen und den hiesigen Vollzug fruchtbar fortzuentwickeln.

Sehr geehrte Frau Lammel,

für die vor Ihnen liegenden Aufgaben als neue Leiterin der Justizvollzugsanstalt Bochum weiß ich Sie bestens gerüstet. Aus diesem Grund übergebe ich die Verantwortung für diese Behörde heute gern und ohne Bedenken in Ihre Hände. Ich darf Sie nun hierher nach vorn bitten, um Ihnen Ihre Ernennungsurkunde auszuhändigen.

Sehr geehrte Frau Lammel,

ich wünsche Ihnen für Ihr neues Amt als Anstaltsleiterin hier in Bochum viel Erfolg und eine allzeit glückliche Hand beim Lenken der Geschicke dieser Behörde.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


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