Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort des Ministers der Justiz Peter Biesenbach anlässlich der Amtseinführung der Leiterin der Justizvollzugsanstalt Rheinbach, Regierungsdirektorin Renate Gaddum, und "Schlüsselübergabe" für den C-Flügel der Justizvollzugsanstalt Rheinbach

30.09.2019

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

es freut mich sehr, Sie am heutigen Montag hier in der Justizvollzugsanstalt Rheinbach begrüßen zu dürfen. Es sind gleich zwei Anlässe, die wir heute gemeinsam feierlich begehen wollen. Zum einen möchte ich die Leitung dieser Behörde in neue Hände geben und begrüße aus diesem Anlass Sie, sehr geehrte Frau Gaddum, ganz  herzlich in Rheinbach. Neben dem Wechsel in der Anstaltsleitung gibt es zudem auch einen baulichen Anlass zu feiern. Nach dreijähriger Bauzeit wollen wir heute den neu errichteten C-Flügel der Anstalt eröffnen.

Doch dazu später mehr. Lassen Sie mich zunächst das Führungsteam dieser Behörde wieder vervollständigen.

Seit dem 1. September 2019 genießt der langjährige Leiter der Justizvollzugsanstalt Rheinbach, Leitender Regierungsdirektor a. D. Heinz-Jürgen Binnenbruck, seinen wohl verdienten Ruhestand, wie ich hörte aktuell in seinem Feriendomizil in Spanien.  Herr Binnenbruck hat die Justizvollzugsanstalt Rheinbach 15 Jahre lang souverän und erfolgreich geleitet und damit fast die Hälfte seines 33-jährigen Berufslebens als Vollzugsjurist hier verbracht. Er hat das Bild der Anstalt, wie wir es heute hier erleben dürfen, entscheidend mitgeprägt und dafür gebührt ihm mein tiefer Dank und aufrichtige Anerkennung.

Nun ist es Zeit, den Staffelstab weiter zu geben. Ich freue mich daher, die neue Leiterin der Justizvollzugsanstalt Rheinbach, Frau Renate Gaddum, herzlich an Ihrer künftigen Wirkungsstätte willkommen zu heißen.

Sehr geehrte Frau Gaddum,

Ihr Werdegang führt Sie heute zwar erstmals dienstlich offiziell an die Justizvollzugsanstalt Rheinbach. Aber die Anstalt ist Ihnen nicht fremd. Schon während Ihrer Studienzeit haben Sie den Vollzug in Rheinbach kennengelernt. Unter anderem hier sind Sie als ehrenamtliche Betreuerin tätig gewesen. Und auch im Übrigen haben Sie früh die Weichen für Ihre spätere berufliche Tätigkeit gelegt. Der Fachbereich Kriminologie bildete einen Schwerpunkt Ihres juristischen Studiums an der Universität Bonn. Nach dem Studium und Ihrem Rechtsreferendariat sind Sie im August 1994 als Vollzugsjuristin eingestellt worden, wobei Sie Ihre erste vollzugliche Station an die Justizvollzugsanstalt Düsseldorf führte. Es folgten weitere Einsätze als Vollzugsabteilungsleiterin in den Justizvollzugsanstalten Willich I und Siegburg. Durch Ihre Tätigkeiten als Vollzugsdezernentin beim Justizvollzugsamt Rheinland und als Referentin in der Justizvollzugsabteilung des nordrhein-westfälischen Ministeriums der Justiz haben Sie sich zudem aufsichtsbehördliche Erfahrungen angeeignet.

Schon sechs Jahre nach Ihrer Einstellung arbeiteten Sie dann im engeren Führungskreis einer Justizvollzugsanstalt mit. Im Mai 2000 übernahmen Sie die Aufgaben der ständigen Anstaltsleitervertretung in der Justizvollzugsanstalt Willich I. Ihre erste eigene Behördenleitung wurde Ihnen bereits zwei Jahre später übertragen, als Sie die Leitung der einzigen selbstständigen Frauenvollzugsanstalt Nordrhein-Westfalens, ebenfalls in Willich, übernahmen. In Willich II waren Sie 7 Jahre Anstaltsleiterin, bevor Sie im November 2009 in die offene Justizvollzugsanstalt Euskirchen wechselten und auch hier mit der Leitung betraut wurden.  

Sehr geehrte Frau Gaddum,

diese Daten machen deutlich, dass ich die Leitung der Justizvollzugsanstalt Rheinbach heute in überaus erfahrene und versierte Hände lege, und das freut mich. Sie haben sich in Ihren bisherigen Stationen als überaus kompetente und präsente Behördenleiterin gezeigt. Für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren Sie jederzeit ansprechbar, hatten ein offenes Ohr für Anliegen und neue Ideen. Durch Ihre zugewandte und interessierte Art haben Sie sich nicht nur eine große Wertschätzung im Kollegenkreis erworben, sondern gerade in Euskirchen auch so manche freundschaftliche Bindung geknüpft.

Fachlich stehen Sie, sehr geehrte Frau Gaddum, für einen zeitgemäßen Justizvollzug, der es schafft, eine ausgewogene Balance zwischen der engagierten Erfüllung des Behandlungsauftrages und dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung zu halten. Dabei entspricht es Ihrem Rollenverständnis, als Chefin tatkräftig mit anzupacken. Als Abteilungsleiterin der Zugangsabteilung der Justizvollzugsanstalt Euskirchen haben Sie sich durch Zugangsgespräche stets selbst als eine der ersten einen persönlichen Eindruck von den neuen Gefangenen verschafft.

Sehr geehrte Frau Gaddum,

ich gebe die Justizvollzugsanstalt Rheinbach heute in Ihre Hände. Für die vor Ihnen liegenden Aufgaben sehe ich Sie bestens gerüstet. Nun  darf ich Sie hier zu mir nach vorn bitten, um Ihnen Ihre Ernennungsurkunde auszuhändigen und Ihnen die Leitung dieser Behörde auch offiziell zu übertragen.   

Sehr geehrte Frau Gaddum,

ich wünsche Ihnen für die vor Ihnen liegenden neuen Aufgaben alles erdenklich Gute, viel Erfolg und das Quäntchen Glück, das zur Führung einer Justizvollzugsanstalt stets dazu gehört.

Damit möchte ich überleiten zu dem zweiten Anlass unseres heutigen Termins.

Anrede,

wir befinden uns heute in einer der ältesten Justizvollzugsanstalten Nordrhein-Westfalens. Im Jahr 2014 beging die Justizvollzugsanstalt Rheinbach ihr 100-jähriges Jubiläum. 1914 noch als Zuchthaus in Betrieb genommen, hat die Anstalt im Laufe der Jahre ihr äußeres Erscheinungsbild stetig verändert. Ihr Ausstattungsstandard wurde kontinuierlich erhöht und die inhaltliche Ausgestaltung zeitgemäßen vollzuglichen Standards angepasst. Insbesondere seit 1997 laufen in der Justizvollzugsanstalt Rheinbach sukzessive Grundsanierungsmaßnahmen, die mit der Fertigstellung des heute übergebenen Bauabschnitts einen weiteren wichtigen Schritt vorangekommen sind.

Nach nun etwas mehr als drei Jahren Bauzeit - im Anschluss an den vorhergehenden Abbruch des Altbaus Ende 2015 - darf ich heute den neu errichteten C-Flügel der Justizvollzugsanstalt Rheinbach eröffnen. Damit ist der letzte Flügel des vor mehr als 100 Jahren errichteten Kreuzbaus, welcher unverändert den zentralen Knotenpunkt der Anstalt bildet, in der neuen Generation des Vollzugsbaus angekommen.

Aus Anlass des Richtfestes im Mai 2017 haben alle Beteiligten noch in die Zukunft geblickt und der Fertigstellung des Neubaus entgegen gesehen. Damals fehlte dem Neubau unter anderem auch noch das Dach. Nun stehen wir hier gemeinsam vor einem, wie ich finde beeindruckenden, fertigen Gebäude - mit Dach - und allen weiteren baulichen Besonderheiten, die ein für den Vollzug errichtetes Unterkunftsgebäude benötigt. Dafür bin ich dankbar.

Nach der Kernsanierung des B-Flügels ab 1997 folgte die Sanierung des A- und D-Flügels sowie der Anstaltskirche, die 2012 abgeschlossen werden konnte. Parallel dazu fanden zahlreichen Baumaßnahmen an Funktions- und Verwaltungsgebäuden statt, wie Krankenpflegeabteilung, Pfortengebäude und Sportplatz, um nur einige Bereiche zu nennen. Dass die Justizvollzugsanstalt Rheinbach jetzt über ein komplett saniertes bzw. im Fall des heute zu eröffnenden C-Flügels, sogar neugebautes Hafthaus verfügt, bedeutet gleichzeitig, dass eine über Jahre andauernde Bauzeit hinter Ihnen, den Bediensteten der Justizvollzugsanstalt Rheinbach, und den hier untergebrachten Gefangenen liegt.

Anrede,

die Durchführung großer Baumaßnahmen im laufenden Betrieb stellt für die Beteiligten immer eine besondere Herausforderung dar. Daher danke ich an dieser Stelle auch allen mit dem Bau befassten Bediensteten ausdrücklich für die geleistete Arbeit und Ihr herausragendes Engagement. Ohne Ihren Einsatz wäre diese Baumaßnahme nicht realisierbar gewesen! Mein Dank gilt daneben auch den Mitarbeitern des Bau- und Liegenschaftsbetriebs, insbesondere der Niederlassung Köln. Mir wurde im Vorfeld des heutigen Termins berichtet, dass sich die Zusammenarbeit mit der Niederlassung Köln ausgesprochen konstruktiv und erfolgreich gestaltet, wovon wir uns heute erneut überzeugen können.

Die Anwesenden unter Ihnen, die in ihrer täglichen Arbeit mit dieser Baumaßnahme befasst oder sonst von den Auswirkungen betroffen waren, werden sich vielleicht gerade denken, dass der C-Flügel zwar errichtet und fertig gestellt ist, die Anstalt aber dennoch nicht ganz befreit ist von Baustellenfahrzeugen, Baustellenorganisation und sonstigen Bauutensilien. Das stimmt.

Zunächst stehen noch die tatsächliche Inbetriebnahme des Haftflügels und der Bezug des Neubaus durch die Inhaftierten an. Zudem entsteht gegenwärtig auf dem Anstaltsgelände eine neue Werkhalle. Auch die Arbeiten für die neue Anstaltsküche und die Großwäscherei haben bereits begonnen. Die Baustellenatmosphäre wird also noch ein wenig erhalten bleiben.

Dennoch kann ich sagen - und ich denke, Sie stimmen mir zu, meine Damen und Herren - ein großer Schritt ist geschafft. Die täglichen Abläufe und Arbeiten sind beispielsweise allein durch das Verschließen der Baustellenzufahrt wieder deutlich erleichtert.

Und auch wenn ich die Schwierigkeiten und Herausforderungen, die mit jeder Baumaßnahme im laufenden Betrieb verbunden sind, nicht verschweigen möchte, so hoffe und denke ich, dass eine Veranstaltung wie die heutige, an der ich sehr gerne teilnehme, zeigt, dass sich das Anstoßen und Durchstehen großer Bauvorhaben lohnt. Zumal sich das Ergebnis – nicht zuletzt durch Ihrer aller Engagement - mehr als sehen lassen kann!

Anrede,

die Eröffnung des C-Flügels ist mit der Erweiterung der Haftplatzkapazitäten der Justizvollzugsanstalt Rheinbach verbunden. Der Anstalt stehen ab heute mehr als 600 Haftplätze zur Verfügung. Die Schaffung zusätzlicher Haftplätze war es, die uns letztlich von der Kernsanierung des alten C-Flügels Abstand nehmen ließ und zu dem nun hier stehenden Neubau führte. Sie schafft Entlastung für die Belegungssituation der Anstalten des geschlossenen Männervollzuges in ganz Nordrhein-Westfalen. Dies möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich hervorheben, da dieser Umstand eine wesentliche Voraussetzung für das Voranschreiten anderer wichtiger Bauvorhaben ist.

Auch erfüllt der Neubau des C-Flügels sämtliche Voraussetzungen an einen modernen Behandlungsvollzug, der in der Justizvollzugsanstalt Rheinbach Tradition hat und im hiesigen Vollzugsalltag gelebt wird. Dies gilt beispielsweise für die Wohngruppe zur Therapievorbereitung von Drogenabhängigen, die Wohngruppe für lebensältere Inhaftierte und die Wohngruppe für Gefangene mit Gewaltproblematik, um  nur einige Behandlungsschwerpunkte zu nennen. Mit den neu geschaffenen Räumlichkeiten wird den stetig wachsenden vollzuglichen Anforderungen im wahrsten Sinne des Wortes mehr Raum gegeben.

Auf drei Ebenen des vierstöckigen Gebäudes befinden sich Hafträume mit Unterbringungsmöglichkeiten für insgesamt 220 Inhaftierte sowie die für einen behandlungsorientierten Wohngruppenvollzug erforderlichen Funktionsräume, wie Sprechräume, Gruppenräume und Wohnküchen. Die Diensträume der Abteilungsbeamten sind so angeordnet, dass aufgrund der Bauweise des Hafthauses in L-Form und der Lage der Diensträume im Gelenk der beiden Gebäudeschenkel für jeweils zwei Abteilungen eine abteilungsübergreifende Aufsicht möglich ist. Dies wird durch die innerhalb der Büros über alle Geschossebenen vorhandenen internen Treppenanlagen zusätzlich erleichtert.

Im Erdgeschoss befinden sich die Räumlichkeiten für die neue Kammer, eines Bereiches, der für reibungslose Abläufe in einer Justizvollzugsanstalt essentiell wichtig ist. Insgesamt bewirkt der Neubau damit auch eine Verbesserung der Infrastruktur der Anstalt, die im täglichen Gebrauch und Einsatz spürbar und von Nutzen sein wird.

Die aktuell noch laufenden Maßnahmen des Neubaus von Anstaltsküche und Großwäscherei sowie der Werkhalle 4 nehmen immer weiter Formen an und werden - davon bin ich überzeugt - die Bedingungen für einen modernen Justizvollzug hier in Rheinbach weiter verbessern. Denn es bedarf keiner näheren Erklärung, wenn ich feststelle, wie wichtig die Verpflegung und die Beschäftigung der Gefangenen im Gefüge einer Justizvollzugsanstalt sind.

Anrede,

abschließend möchte ich Ihnen allen und ganz besonders den Bediensteten der Justizvollzugsanstalt Rheinbach sowie den zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW noch einmal meinen Dank aussprechen. Ich wünsche Ihnen, dass der erfolgreiche Abschluss eines so wegweisenden Bauabschnitts neue Motivation und Energie für die aktuellen und künftigen vollzuglichen und baulichen Aufgaben freisetzt, die vor uns liegen.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.



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