Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort des Ministers der Justiz Peter Biesenbach anlässlich der Amtseinführung des Leiters der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn, Oberregierungsrat Dr. Stefan Cassone

07.10.2019

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

es freut mich sehr, Sie am heutigen Montag hier in der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn begrüßen zu dürfen, um mit Ihnen gemeinsam den neuen Leiter dieser Behörde, Herrn Dr. Stefan Cassone, in sein künftiges Amt einzuführen.

Sehr geehrter Herr Dr. Cassone,

ich heiße Sie an Ihrer neuen Wirkungsstätte herzlich willkommen.

Sie treten heute die Nachfolge von Herrn Regierungsdirektor Reimund Kintrup an, der diese Anstalt sechs Jahre lang geleitet hat und Ende Juni dieses Jahres in den Ruhestand getreten ist.

Diesen Umstand möchte ich gern zum Anlass nehmen, gleich zu Beginn meines Grußworts dem ständigen Vertreter in der Anstaltsleitung meinen herzlichen Dank auszusprechen.

Sehr geehrter Herr Jahns,

über mehrere Monate haben Sie die Geschicke dieser Anstalt allein lenken müssen. Und erlauben Sie mir festzustellen, Sie haben das hervorragend bewältigt. Obwohl selbst noch nicht lange im Amt des Vertreters haben Sie die Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn geräuschlos auf Kurs gehalten. Dafür leisteten Sie und Ihr Team in den letzten Wochen und Monaten weit Überobligatorisches.

Sie haben eigene und private Belange hinter dienstlich Erforderlichem zurückgestellt und dafür gebührt Ihnen und auch Ihren Kolleginnen und Kollegen, die Ihnen  hier in Duisburg-Hamborn zur Seite gestanden haben und stehen, mein tief empfundener Respekt und Dank.

Umso mehr freut es mich, Ihnen heute mit Herrn Dr. Cassone wieder eine Verstärkung mitzubringen.
 
Sehr geehrter Herr Dr. Cassone,

sehr gern gebe ich den Staffelstab hier in Duisburg-Hamborn heute an Sie weiter. Sie waren bisher noch nicht an dieser Behörde tätig. Darum möchte ich Sie den heute Anwesenden zunächst kurz vorstellen.

Der Name lässt es nicht vermuten, aber Sie sind ein Kind des Ruhrgebiets, in Recklinghausen geboren und aufgewachsen. Erkennbar stolz sind Sie auf Ihre italienischen Wurzeln.

Noch vor Ihrer Geburt ist Ihr Vater von Italien nach Deutschland übergesiedelt. Seiner Heimat Sizilien sind Sie auch heute noch – nicht zuletzt durch die Familienurlaube - eng verbunden.

Sie haben an der Ruhr-Universität Bochum Rechtswissenschaften studiert. Dem Landgericht Bochum waren Sie für Ihr juristisches Referendariat zugewiesen. Schon frühzeitig hat eine Tätigkeit im Justizvollzug Ihr Interesse geweckt.

Sie haben in der Justizvollzugsanstalt Essen ein studentisches Verwaltungspraktikum absolviert und waren im Anschluss daran noch drei Jahre als ehrenamtlicher Betreuer in dieser Anstalt tätig. Nach dem Studium arbeiteten Sie zunächst vier Jahre freiberuflich als Rechtsanwalt, bevor Sie im September 2006 Ihre Tätigkeit als Vollzugsjurist aufnahmen, seinerzeit allerdings noch für das Land Hessen. Nach Einsätzen als Vollzugsabteilungsleiter in den Justizvollzugsanstalten Kassel I, Butzbach und Gießen wurden Sie - Ihrem Rückkehrwunsch nach Nordrhein-Westfalen entsprechend - im April 2011 in den hiesigen Geschäftsbereich versetzt.

Die Jugendvollzugsanstalt Wuppertal-Ronsdorf wurde Ihre dienstliche Heimat, nur unterbrochen von einer kurzen Abordnung an die Justizvollzugsanstalt Herford. Im Mai 2012 sind Sie zum ständigen Anstaltsleitervertreter der Justizvollzugsanstalt Wuppertal-Ronsdorf bestellt worden sind.

Neben Ihrem Interesse am Vollzug lag Ihnen stets auch die Ausbildung von Nachwuchskräften für den Justizvollzug am Herzen. Zwei Jahre lang waren Sie als Dozent im Fachbereich Strafvollzug an der Fachhochschule für Rechtspflege Nordrhein-Westfalen tätig.

Während der letzten Jahre haben Sie zudem nebenamtlich die Justizvollzugsschule Nordrhein-Westfalen als Lehrkraft unterstützt. Ab September 2015 arbeiteten Sie knapp vier Jahre als Referent und später auch stellvertretender Referatsleiter im Behandlungsreferat für den Jugend- und Frauenvollzug. Seit Mai dieses Jahres schließlich unterstützen Sie die Anstaltsleitung der Justizvollzugsanstalt Bochum.     

Sehr geehrter Herr Dr. Cassone,

die Stationen Ihres bisherigen beruflichen Werdegangs sind vielfältig. Und vielfältig ist auch die Behörde, die Sie heute übernehmen werden. Mit Blick auf die Vollstreckungszuständigkeit der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn als Untersuchungshaft- und Kurzstrafenanstalt mag sich dieser Eindruck nicht sofort aufdrängen.

Allerdings weist die Anstalt schon insofern eine Besonderheit auf, als dass sie neben dem Männervollzug in der Hauptanstalt durch die dazugehörige Zweiganstalt Dinslaken auch für den geschlossenen Frauenvollzug zuständig ist.

Durch Ihre Tätigkeit im zuständigen Behandlungsreferat hatten Sie, sehr geehrter Herr Dr. Cassone, hier in der Vergangenheit sicher schon den ein oder anderen Berührungspunkt. Jedenfalls sind die Fußballkicker aus der hiesigen Anstalt landesweit ein Begriff.

Und ebenfalls aus Ihrer aufsichtsbehördlichen Tätigkeit dürfte Ihnen die zweite Besonderheit dieser Behörde bestens bekannt sein.

Der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn sind mehrere in Düsseldorf beheimatete Delegatare organisatorisch angeschlossen, die landesweit beratend und unterstützend tätig sind.

Lassen Sie mich dazu zunächst die Zentralstelle für Rechts- und Schadensangelegenheiten im Justizvollzug nennen. Der Zentralstelle obliegt innerhalb definierter Zuständigkeiten die Bearbeitung der Rechts- und Schadensangelegenheiten für alle  nordrhein-westfälischen Justizvollzugseinrichtungen.

Mit ihrer Einrichtung soll das für die Bearbeitung der Rechts- und Schadenssachen erforderliche breitgefächerte und teilweise vollzugsspezifische Fachwissen gebündelt und die entsprechende Aufgabenerledigung damit effektiviert werden. Zur Bearbeitung fallen jährlich etwa 500 bis 600 neue Fälle von gerichtlichen und außergerichtlichen Verfahren an.
 Schwerpunkte der Inanspruchnahmen der Zentralstelle bilden Schadenersatzansprüche und Regressfälle, beamten- und arbeitsrechtliche Streitigkeiten, Ordnungswidrigkeitsverfahren, die Regulierung von Dienst- und Freizeitunfällen von Bediensteten und die Bearbeitung von Angelegenheiten der Zwangsvollstreckung zivilrechtlicher Forderungen. Hier bedarf es keiner weiteren Erläuterung, wenn ich feststelle, wie bedeutend die Arbeit dieser Einrichtungen für die gesamte Vollzugsverwaltung ist.

Ebenfalls der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn angeschlossen ist der Fachbereich Pädagogik und Sozialdienst im Justizvollzug Nordrhein-Westfalen. Die ebenfalls in Düsseldorf sitzende Organisationseinheit dient zum einen der fachaufsichtlichen Beratung meines Hauses in Fragen der Schul-, Aus- und Weiterbildung der Gefangenen ebenso wie zum Bereich der Sozialarbeit und Sozialpädagogik.

Für die Justizvollzugseinrichtungen ist der Fachbereich geschätzter und rege in Anspruch genommener Berater in allen Fragen der Pädagogik, der Freizeitgestaltung, des Gefangensports und der Sozialarbeit.

Auch hier erübrigen sich weitere Worte zur besonderen Bedeutung einer solchen zentralen und landesweit tätigen Organisationseinheit.

Last but not least möchte an dieser Stelle den dritten Delegatar in dieser Reihe vorstellen:

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn ist auch das „Mutterhaus“ des Kriminologischen Dienstes des Landes Nordrhein-Westfalen, der zentralen Forschungseinrichtung für den Justizvollzug unseres Landes – dies allerdings nur in verwaltungstechnischer Hinsicht. Für die inhaltliche Umsetzung seiner Forschung sorgt der Kriminologische Dienst in eigener Zuständigkeit und mit der gebotenen wissenschaftlichen Unabhängigkeit – und zwar nicht hier in Duisburg, sondern an seinem Dienstsitz in Düsseldorf.  

Allerdings: Ohne die administrative Fundierung in Duisburg könnte der Kriminologische Dienst seinen Forschungsaufgaben in Düsseldorf nicht gerecht werden – und die sind überaus vielfältig:

An vorderster Stelle, weil gesetzlich vorgegeben, steht die Evaluation des Justizvollzuges, namentlich des Vollzuges der Freiheitsstrafe, der Jugendstrafe, des Jugendarrestes, der Sicherungsverwahrung und auch der Untersuchungshaft.
Teilweise werden die damit verbundenen Aufgaben in länderübergreifenden Arbeitsgruppen wahrgenommen und im Falle der Studien zum Jugendstrafvollzug über ein Projektbüro koordiniert. Dieses ist mit tatkräftiger Hilfe der JVA Duisburg-Hamborn in den Düsseldorfer Diensträumen des Kriminologischen Dienstes installiert worden.

Darüber hinaus dokumentiert der Kriminologische Dienst die Entwicklung der Strafvollzugsbelegung im ganzen Land. Und er prognostiziert regelmäßig deren weiteren Verlauf.

Dabei liegt es auf der Hand, dass seine Ergebnisse die Planung und Gestaltung des Vollzuges durch das Ministerium der Justiz unterstützen – wie übrigens auch die Befunde unseres derzeit umfangreichsten Projektes EVALiS.

Mit diesem wollen wir in bundesweit einmaliger Weise die Behandlung der Gefangenen in unseren Justizvollzugsanstalten dokumentieren, analysieren und sowohl bedarfsgerecht als auch wirkungsorientiert weiter entwickeln.

EVALiS steht für „Evaluation im Strafvollzug“. Das Projekt soll uns nicht nur zeigen, welche Behandlungsmaßnahmen wo verfügbar sind, sondern auch, wie und unter welchen Bedingungen sie zur Erreichung des Vollzugszieles beitragen können. Und dieses besteht ja - wie wir alle wissen - darin, die Gefangenen zu befähigen, nach der Haft straffrei zu leben, also den Rückfall der inhaftierten Straftäter zu vermeiden.

Nun stützt die Arbeit des Kriminologischen Dienstes nicht nur die weitere Entwicklung der Behandlungsmaßnahmen im Strafvollzug, sondern auch unsere Bemühungen zur Eingliederung der Gefangenen nach der Entlassung – gewissermaßen im Übergang aus der Haft in die Freiheit. Dazu hat der Kriminologische Dienst in langjähriger Entwicklungsarbeit ein Übergangsmanagement entwickelt, das mittlerweile zum festen Bestandteil unseres Vollzugsalltages geworden ist.

Über die konzeptionelle Entwicklungsarbeit hinaus hat der Kriminologische Dienst über lange Jahre auch für die landesweite Steuerung dieses Übergangsmanagements gesorgt und dabei nicht nur diverse Netzwerkpartner koordiniert, sondern auch das erforderliche Fachpersonal geschult.

Dabei hat sich der Kriminologische Dienst selbst zu einer Einrichtung entwickelt, die von der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management als Weiterbildungsinstitut anerkannt und zertifiziert worden ist.

Bei all dem sind Forschung und Entwicklung, Wissenschaft und Praxis stets Hand in Hand gegangen. Exemplarisch gilt dies für die Durchführung zahlreicher Modellprojekte, die mit einer Förderung aus Mitteln der Europäischen Union und anderer Bundes- oder Landesministerien durchgeführt wurden. Deren Ergebnisse haben dazu beigetragen, die Innovationskraft unseres Strafvollzuges weit über die Grenzen Nordrhein-Westfalens und Deutschlands hinaus bekannt zu machen.

Und auch daran hatte die Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn einen nicht unerheblichen Anteil. Europäische Fördermittel wollten nicht nur beantragt werden. Sie müssen auch verwaltet werden. Zur Durchführung der Projekte wurde qualifiziertes Personal gebraucht, dem angemessene Arbeitsbedingungen zu stellen waren.
Und um die vielfältigen Kooperationserfordernisse mit deutschen und europäischen Projektpartnern erfolgreich gestalten zu können, mussten Reisen vorbereitet und abgerechnet, Tagungen organisiert und dokumentiert und manch bürokratische Ausschreibungs- und Abrechnungswesen der Fördermittelgeber verstanden und mängelfrei bearbeitet werden. All dies hätte der Kriminologische Dienst ohne die administrative und personelle, haushalterische und finanzielle Unterstützung durch die Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn, ihre jeweilige Leitung und ihr Verwaltungsteam nicht erfolgreich bewältigen können.
Insofern kann ich gut verstehen, dass es dem Leiter des Kriminologischen Dienstes ein großes Anliegen war und ist, Ihnen auch in seinem Namen noch einmal einen ganz herzlichen Dank zu sagen – verbunden mit dem Wunsch, dass die gute und eingespielte Zusammenarbeit auch in Zukunft Bestand haben möge.

Sehr geehrter Herr Dr. Cassone,

Sie sehen, wie breit gefächert und überaus interessant die Aufgaben sind, die Sie mit der Leitung dieser Behörde übernehmen werden.

Ich weiß, dass Sie berufliche Herausforderungen nicht scheuen. Durch Ihre offene und unkomplizierte Art, Ihre unbedingte Ansprechbarkeit für die Kolleginnen und Kollegen und Ihres gelebten Anspruchs, kooperativ im Team zu arbeiten, ist es Ihnen in der Vergangenheit stets gelungen, die mit neuen Aufgaben verbundenen Ansprüche zu meistern. Die Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn gebe ich heute mit dem guten Gefühl in Ihre Hände, Sie für die vor Ihnen liegenden Leitungsaufgaben gut gerüstet zu sehen.

Nun möchte ich Sie, sehr geehrter Herr Dr. Cassone, zu mir nach vorn bitten, um Ihnen Ihre Ernennungsurkunde auszuhändigen.

Sehr geehrter Herr Dr. Cassone,

ich wünsche Ihnen für die vor Ihnen liegende Tätigkeit als Leiter der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn alles erdenklich Gute, viel Erfolg und eine allzeit glückliche Hand!

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.



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