Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort des Justizstaatssekretärs anlässlich des Tages der Ausbilderinnen und Ausbilder in der Justizakademie Recklinghausen

28.10.2019

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

"Menschen bilden bedeutet nicht, ein Gefäß zu füllen, sondern ein Feuer zu entfachen."

Diese Worte, die dem griechischen Dichter Aristophanes zugeschrieben werden, beschreiben treffend, worauf es bei einer guten Ausbildung ankommt. Wissen zu vermitteln ist notwendig und wichtig aber allein nicht ausreichend. Daneben muss auch der "Funke zum Glühen gebracht werden". Nur so werden die Auszubildenden auch mit Begeisterung die Aufgaben, die das Berufsleben an sie stellen wird, wahrnehmen.

Sie, meine Damen und Herren, haben sich diesem Ausbildungs- und Entwicklungsprozess verschrieben und für dieses Engagement möchte ich Ihnen von dieser Stelle aus zunächst einmal ganz herzlich danken. Sehr gerne habe ich daher die Gelegenheit ergriffen und bin heute nach Recklinghausen gekommen, um den Tag der Ausbilderinnen und Ausbilder mit einem Grußwort zu eröffnen.

Viele von Ihnen sind schon über lange Zeit mit der Ausbildungstätigkeit vertraut.

Sie haben sich mit Kraft und Energie schon in Zeiten der großen Jugendarbeitslosigkeit der Ausbildung gewidmet und Jugendlichen über den eigenen Bedarf der Justiz hinaus eine sinnvolle Ausbildung ermöglicht. Die Motivation hierzu war bestimmt nicht immer leicht, da sie selbst und ihre Gerichte und Behörden die Früchte der Ausbildung nicht genießen konnten. Nachdem diese Zeiten hinter uns liegen, stellt uns jetzt der demographische Wandel vor neue Herausforderungen. In den nächsten Jahren wird eine hohe Anzahl an Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand treten. Daher haben wir weitere Zugangsmöglichkeiten zur Laufbahngruppe 1, zweites Einstiegsamt des Justizdienstes eröffnet.

Nach langjähriger Pause werden im nächsten Jahr erstmals wieder Schulabgängerinnen und Schulabgänger im Rahmen eines zweijährigen Vorbereitungsdienstes zu Justizfachwirtinnen und Justizfachwirten qualifiziert. Die für diese Ausbildung notwendigen Rahmenbedingungen werden zurzeit geschaffen. Sie haben es sicher schon gehört, das Ausbildungszentrum der Justiz erhält hierzu eine Nebenstelle im Herzen des Ruhrgebiets, in Essen. Aber die Räumlichkeiten können noch so schön sein, ohne Sie, meine Damen und Herren, die Sie sich der Bildung junger Menschen verschrieben haben, könnte das Ziel, Kolleginnen und Kollegen heranzubilden, die im wahrsten Sinne für die Justiz brennen, nicht erreicht werden.
Ich freue mich, dass Sie dafür Sorge tragen, dass die Aufgaben der Justiz auch zukünftig qualitativ hochwertig wahrgenommen werden.

Ihre Tätigkeit als Ausbilderinnen und Ausbilder ist nicht nur wichtig, sie ist auch schwierig. Im täglichen Kontakt mit den Auszubildenden sind sie vielfältig und umfänglich gefordert. Selbstverständlich benötigen Sie hervorragende Fachkenntnisse und eigene praktische Erfahrung in den unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen der Justizfachangestellten sowie der Justizfachwirtinnen und Justizfachwirte. Allein hervorragendes Fachwissen reicht aber nicht aus, um eine gute Ausbildung zu bieten. Ihnen werden auch Fähigkeiten auf anderen Gebieten abverlangt. Sie müssen in Methodik und Didaktik versiert sein, um den Auszubildenden den zu vermittelnden Stoff anschaulich und interessant nahe bringen zu können. Auch wird von Ihnen erwartet, in der um ein halbes Jahr verkürzten Ausbildungszeit der Justizfachangestellten alles Wichtige und vor allem Prüfungsrelevante anzusprechen. Dies ist bestimmt nicht immer einfach und verlangt ein gutes Zeitmanagement. Über ein gutes Zeitmanagement und eine zweckmäßige Schwerpunktsetzung müssen insbesondere auch die Praxisausbilderinnen und Praxisausbilder verfügen.

Sie dürften in Zeiten hoher eigener Arbeitsbelastung immer häufiger vor dem Problem stehen, einerseits die eigenen Aufgaben angemessen zu erledigen und andererseits auch noch genügend Zeit für die Auszubildenden aufzubringen. Nicht zuletzt wird von Ihnen auch eine hohe kommunikative Kompetenz erwartet, denn Ausbildung lebt vom Gespräch, auch dem kritischen, mit jungen Menschen.

Anrede,

Sie sind es, die den Auszubildenden einen ersten Eindruck von ihrem künftigen Arbeitsplatz vermitteln. Sie haben es in der Hand, ob sich die Auszubildenden bei der Justiz wohl fühlen und der Justiz auch nach Abschluss der Ausbildung verbunden bleiben. Dass Sie Ausbildung tagein-tagaus mit durchweg hohem Engagement teilweise schon seit vielen Jahren praktizieren, setzt eine innere, der Ausbildung zugewandte Einstellung voraus, von der die jungen Menschen nur profitieren können und die mich veranlasst, Ihnen hierfür heute meine besondere Anerkennung auszusprechen.

Anrede,

Der heutige Tag der Ausbilderinnen und Ausbilder soll Ihnen unsere Wertschätzung für Ihre Tätigkeit zeigen.
Nach den positiven Erfahrungen in den Vorjahren kommen wir heute schon zum dritten Mal in der Justizakademie zusammen. Das zeigt, dass sich der Tag der Ausbilderinnen und Ausbilder inzwischen fest etabliert hat. Ich finde es sehr wichtig, sich die Zeit zu nehmen, und sich einmal einen ganzen Tag - losgelöst vom Arbeitsalltag - mit Ausbildungsfragen zu beschäftigen. Nur so können auch Gesichtspunkte erörtert werden, die im täglichen Geschäft bisweilen zu kurz kommen. Das Programm des heutigen Tages deckt ein breites Spektrum ab. So finden sich bewährte Themen, gleichzeitig werden aber auch neue Impulse gesetzt. Die Vielzahl der angebotenen Workshops macht die Auswahl nicht leicht. Glücklicherweise wird die Qual der Wahl ein wenig dadurch kompensiert, dass Sie die Möglichkeit haben, mehrere Workshops zu besuchen. Immer hilfreich ist auch ein Forum zum Erfahrungsaustausch. Das Gespräch mit Mitstreitern eröffnet den Blick über den eigenen Tellerrand. Wer sich austauscht und damit beschäftigt, wie andere die Herausforderung „Ausbildung“ angehen, der kann nicht nur für sich selbst neue Impulse gewinnen, sondern er kann auch zu der bisweilen beruhigenden Erkenntnis gelangen, dass es den anderen auch nicht anders oder gar besser geht.

Anrede,

Neu in diesem Jahr ist das Thema "Geschlechterrollen im Islam".
Ich bin mir sicher, dass Sie hier Interessantes erfahren und manches vielleicht aus einem neuen Blickwinkel sehen werden. Ich würde mich freuen, wenn der Workshop Ihnen Appetit macht, weitere Seminare aus dem Themenbereich "interkulturelle Kompetenz" zu besuchen. Weitere Workshops widmen sich dem Zeit- und Selbstmanagement, der Motivation, die in diesem Kreis aber unzweifelhaft vorhanden ist, denn sonst wären Sie, meine Damen und Herren, heute nicht hier.

Anrede,

Ausbildung ist schon schwierig genug. Aber es gibt immer wieder auch besondere Lagen, die es zusätzlich zu meistern gilt. Wie kann man Lernprozesse fördern? Was macht man zum Beispiel, wenn man einzelne Auszubildende nur noch schwer erreicht, wenn sie gar abzudriften drohen? Wie reagiert man auf Mobbing? Hilfestellungen hierzu und sicherlich noch einiges mehr erfahren sie in weiteren Workshops. Interessante Erkenntnisse dürfte auch der Workshop zum Thema "Justiz und Jugendkultur" bieten. Erreichen kann man junge Auszubildende wohl nur, wenn man bereit ist, Einblick in ihr Denken, Einblick in ihre Welt zu nehmen. Man muss nicht alles bewerten, was junge Menschen so beschäftigt, aber man muss ihre Gedanken und Sorgen zumindest wahr- und ernstnehmen.
Abgerundet wird das Programm des heutigen Tages durch die Möglichkeit, an einer Präsentation zum elektronischen Arbeitsplatz teilzunehmen.

Der heutige Tag mit seinen vielfältigen Angeboten hilft Ihnen hoffentlich auch weiterhin, als Ausbilderin und Ausbilder den Nachwuchs der Justiz zu qualifizieren und für die vielfältigen Aufgaben in der Justiz zu begeistern.

Jetzt wünsche ich Ihnen aber einen spannenden und erfolgreichen Tag mit vielen neuen Erkenntnissen und Erfahrungen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!


Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@jm.nrw.de