Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort von Justizstaatssekretär Dirk Wedel anlässlich der Buchpräsentation "Geschichte der Rechtsanwaltskammer Hamm (1879 bis 2017)" in Hamm

20.11.2018

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrter Herr Dr. Wessels,
sehr geehrter Herr Dr. Finzel,
sehr geehrter Herr Keders,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich bedanke mich zunächst ganz herzlich für die Einladung zur heutigen Buchpräsentation „Geschichte der Rechtsanwaltskammer Hamm“. Über die Gelegenheit, ein Grußwort an Sie richten zu dürfen, freue ich mich sehr.

Das heute präsentierte Werk stammt aus der Feder eines Mannes, der die Geschichte der Rechtsanwaltskammer Hamm über Jahre hinweg im wahrsten Sinne des Wortes mitgeschrieben hat. Sie,

Herr Dr. Finzel,

sind seit über 30 Jahren mit dieser Kammer verbunden und kennen ihre Geschichte aus erster Hand. Sie waren mehr als 15 Jahre lang ihr Präsident und haben die Geschicke der Kammer herausragend geleitet.

Dem Vorstand der Rechtsanwaltskammer Hamm gehörten Sie bereits 1987 an und heute sind Sie ihr Ehrenpräsident. Ihr Werk behandelt die Geschichte der Kammer von ihrer Gründung 1879 bis hin zur Einrichtung des elektronischen Postfachs im Jahre 2018. Dieses umfassende Werk zeigt überdeutlich, dass Ihr Engagement für den anwaltlichen Berufsstand mit Ihrer
Verabschiedung als Präsident im Jahre 2012 nicht erloschen ist. Vielmehr ist es Ihnen gelungen, detailreich darzustellen, dass die Geschichte der Rechtsanwaltskammer Hamm ein Spiegelbild der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation der letzten 140 Jahre ist. Die bewegte Geschichte der hiesigen Rechtsanwaltskammer wird von nun an für interessierte Juristinnen und Juristen greifbar sein. Hierfür gilt Ihnen mein besonderer Dank.

Lieber Herr Dr. Finzel,

Sie haben neben ihrer Rechtsanwaltstätigkeit über beinahe drei Jahrzehnte hinweg auch das Amt des Notars ausgeübt. Hierauf komme ich zu sprechen, weil es nicht mehr viele Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte gibt, die als Anwaltsnotarinnen und -notare in Ihre Fußstapfen treten wollen. Die Nachwuchsgewinnung ist bekanntermaßen eine Aufgabe, die alle Bereiche der Rechtspflege betrifft. Nicht nur die Gewinnung von Richterinnen und Richtern sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälten stellt eine Herausforderung dar. Auch und gerade die Nachwuchsgewinnung im Unterstützungsbereich bereitet mehr denn je Schwierigkeiten. Wie ich höre, gibt es vergleichbare Probleme auch in der Rechtsanwaltschaft. Für die Nachwuchsgewinnung innerhalb der Justizbehörden in Nordrhein Westfalen wird im Jahr 2019 eine breitangelegte Werbekampagne gestartet, mit der die unterschiedlichen Berufe der Justiz beworben werden und von der wir uns eine größere Zahl von Interessenten gerade aus dem Kreise der Schulabgängerinnen und Schulabgänger erhoffen.

Ungleich schwerer fällt es uns als Landesjustizverwaltung, qualifizierten Nachwuchs für das Anwaltsnotariat zu finden. Seit mehreren Jahren müssen wir beobachten, dass für eine Vielzahl der ausgeschriebenen Stellen keine Bewerberinnen und Bewerber mehr gefunden werden.

Natürlich stellt die Notarielle Fachprüfung eine Hürde für potentielle Bewerberinnen und Bewerber dar. Es gibt sie jedoch aus gutem Grund, denn Ziel des Gesetzgebers war es, vor allem einen fachlichen Mindeststandard zu gewährleisten.

Hieran wollen wir festhalten, denn in Folge der Einführung der Notariellen Fachprüfung beobachten wir einen deutlichen Anstieg der Qualität der notariellen Dienstleistungen. Den finanziellen und zeitlichen Aufwand, den die Notarielle Fachprüfung unweigerlich bedeutet, scheinen jedoch nicht wenige Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte zu scheuen.

Nachwuchs in den Reihen der Anwaltsnotarinnen und -notare kann jedoch nur aus den Reihen der Rechtsanwaltschaft kommen. Deshalb ist es mir ein besonderes Anliegen, Sie alle zu ermuntern, junge Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte zu motivieren, die Notarielle Fachprüfung abzulegen und den unzweifelhaft attraktiven Beruf der Anwaltsnotarin oder des Anwaltsnotars anzustreben.

Nun haben Notarinnen und Notare selbstredend ihre „eigene“ Kammer, im hiesigen Bereich die Westfälische Notarkammer. Auch wenn dies - wie wir sogleich von Herrn Dr. Finzel hören werden, nicht immer so war.

Genauso wie die Rechtsanwaltskammer Hamm einst gleichzeitig auch die Standesvertretung für Anwaltsnotarinnen und -notare war, ist sie heute die einzige Standesvertretung für diejenigen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, die gleichzeitig als Insolvenzverwalterinnen und Insolvenzverwalter tätig sind. Was Notarinnen und Notare bereits haben - eine „eigene“ Kammer - streben seit einiger Zeit, da werde ich Ihnen,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

nichts Neues erzählen, auch Insolvenzverwalterinnen und Insolvenzverwalter an. Nun hat der Koalitionsvertrag der Bundesregierung angekündigt, gesetzliche Rahmenbedingungen für die Berufszulassung, -ausübung und -aufsicht der Insolvenzverwalter zu regeln. Zwar hat sich das Ministerium der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen bisher gegen die Einrichtung von Insolvenzverwalterkammern ausgesprochen. Vor dem Hintergrund der neuen Entwicklungen auf Bundesebene hat die Diskussion um die Verkammerung dieser Berufsgruppe jedoch wieder Fahrt aufgenommen.

Dabei reichen die Überlegungen von einer sogenannten „kleinen“ Lösung, bei der lediglich Regelungen zur Berufszulassung getroffen werden sollen, bis hin zu einer „großen Lösung“, die Regelungen zur Berufszulassung, Berufsausübung, Berufsaufsicht und Vergütung vorsieht. Von Seiten der Bundesregierung sollen nun zunächst die Trilog-Verhandlungen auf EU-Ebene abgewartet werden. Voraussichtlich im kommenden Jahr werden wir uns der Diskussion um eine Verkammerung der Insolvenzverwalterinnen und Insolvenzverwalter jedoch - gemeinsam mit den Rechtsanwaltskammern - stellen müssen. Ich bin sicher, dass hier spannende Zeiten auf uns zukommen werden.

Nun jedoch freue ich mich, gemeinsam mit Ihnen,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

in vergangene Zeiten einzutauchen.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@jm.nrw.de