"Graue Reihe" und weitere Publikationen zur juristischen Zeitgeschichte

Dokumentations- und Forschungsstelle

Diese Einrichtung stellt das Bindeglied zwischen historischer Forschung und juristischer Praxis dar. Sie besteht seit 1989 und ist in der Justizakademie des Landes Nordrhein-Westfalen angesiedelt.

Inhalt:



 

Aufgaben und Ziele
Als Bindeglied zwischen historischer Forschung und juristischer Praxis bemüht sie sich um die Förderung der zeithistorischen Forschung, nicht nur zur Rolle der Justiz im Nationalsozialismus, sondern z.B. auch über die Entwicklung der Justiz nach 1945 in den beiden deutschen Staaten. Sie versteht sich als Ansprechpartnerin für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die im Bereich der Justizgeschichte forschen möchten, ermuntert aber auch die in der Praxis tätigen Kolleginnen und Kollegen zum eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten, welches auf verschiedene Art und Weise unterstützt wird.

 

Kontakt
Dokumentations- und Forschungsstelle in der Justizakademie des Landes Nordrhein-Westfalen
- Gustav-Heinemann-Haus -
August-Schmidt-Ring 20,
45665 Recklinghausen
Telefon:  +49 2361 481-202, Telefax: +49 2361 481 - 141

Leiter der Dokumentations- und Forschungsstelle: Richter am Oberlandesgericht Dirk Frenking

E-Mail: dirk.frenking@jak.nrw.de

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Historie

Im Jahre 1988 wurde in Recklinghausen die Justizakademie des Landes Nordrhein-Westfalen – Gustav-Heinemann-Haus – als zentrale Fortbildungseinrichtung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Justiz des Landes eröffnet. Nur ein Jahr später – im April 1989 – stellte der damalige Justizminister Dr. Rolf Krumsiek die Dokumentations- und Forschungsstelle "Justiz und Nationalsozialismus" der Öffentlichkeit vor, die an der Justizakademie in Reck-linghausen eingerichtet wurde. Die Justizakademie bot sich als Standort einer solchen Einrichtung an, um deren jährlich mehr als 17.000 Tagungsgästen (Stand 2012) aus allen Bereichen der Justiz die Gelegenheit zu verschaffen, sich auf unterschiedliche Weise mit dem Thema "Justiz und Nationalsozialismus" auseinander zu setzen.

Die Dokumentations- und Forschungsstelle sollte die Gewähr für eine nachhaltige Auseinandersetzung der (NRW-)Justiz mit der eigenen Rolle im NS-Terrorregime bieten. Seit nunmehr 25 Jahren geht die Einrichtung auf vielgestaltige Art und Weise der Frage nach, inwieweit Gerichte und Behörden, Richter und Staatsanwälte in den totalitären Unrechtsstaat verstrickt waren und ihm zur Durchsetzung verhalfen. Zudem befasst sie sich intensiv mit den personellen NS-Kontinuitäten in der bundesdeutschen Nachkriegsjustiz. Darüber hinaus hat sie im Laufe der Zeit ihren Blick auf weitere rechtshistorische Fragestellungen des vergangenen Jahrhunderts, wie z.B. den Umgang mit der DDR-Justiz und ihren Akteuren oder das poltische Strafrecht in (West-) Deutschland in der Zeit von 1951 bis 1968 gerichtet. Ihr Bestreben ist es, insbesondere junge Juristinnen und Juristen, Justizbedienstete, Schulklassen und die interessierte Öffentlichkeit für diese Thematik zu sensibilisieren. Sie versucht, diesen Aufgaben in vielfältiger Weise wie etwa durch Ausstellungen, Fortbildungen, Symposien und die eigene Schriftenreihe „Juristische Zeitgeschichte NRW“ gerecht zu werden.

Nachdem die erste Leiterin der Dokumentations- und Forschungsstelle zu diesem Zweck eine ständige Ausstellung aufgebaut hatte, die an exemplarischen Dokumenten die Verstrickung der Justiz in den Unrechtsstaat des "Dritten Reiches" verdeutlichen sollte, wurde diese Ausstellung inzwischen durch eine Wanderausstellung zum Thema „Justiz und Nationalsozialismus“ ersetzt. Diese wird seit mehr als zehn Jahren in zahlreichen Gerichten und anderen öffentlichen Einrichtungen gezeigt und ist in der übrigen Zeit der Justizakademie zu sehen. Derzeit ist eine überarbeitete und aktualisierte Ausstellung in Planung, mit deren Eröffnung noch in 2014 zu rechnen ist und die zunächst dauerhaft in der Justizakademie gezeigt werden soll.

Ausgehend von den Erfahrungen und Erkenntnissen der Dokumentations- und Forschungsstelle wird seit 1993 unter ihrer Mitwirkung eine Buchreihe zum Thema "Juristische Zeitgeschichte Nordrhein-Westfalen" vom Justizministerium NRW herausgegeben. Während der Leiter der Dokumentations- und Forschungsstelle jeweils als Chefredakteur fungiert, wird dessen Arbeit durch einen Wissenschaftlichen Beirat begleitet, der die hohe inhaltliche Qualität der Bände gewährleisten soll. Mittlerweile ist der 20. Band der Schriftenreihe erschienen, und diverse Bände befinden sich in Vorbereitung. Informationen zu den einzelnen Bänden der Schriftenreihe und über die Möglichkeiten des Bezugs finden Sie hier.

In zahlreichen Veranstaltungen, zuletzt bei dem Symposium "NS-Verbrechen vor Gericht: völkerstrafrechtliche Entwicklungslinien & filmische Inszenierung“ im September 2013, welches ein Kooperationsprojekt mit dem Institut für Kriegsverbrecherprozesse der Universität Marburg darstellt, ist es der Dokumentations- und Forschungsstelle gelungen, Justizpraktiker und Wissenschaftler zu gemeinsamen Tagungen einzuladen und damit einen fruchtbaren Meinungsaustausch zu ermöglichen.

 

 Kooperationspartner

Die Dokumentations- und Forschungsstelle "Justiz und Nationalsozialismus" arbeitet u.a. zusammen mit

Weitere Ansprechpartner sind Behörden, wie etwa die Zentralstellen zur Verfolgung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen bei den Staatsanwaltschaften Dortmund und Köln, aber auch Einzelpersonen innerhalb und außerhalb der Justiz, denen in der Schriftenreihe "Juristische Zeitgeschichte" ein Forum zur Veröffentlichung ihrer Forschungsbeiträge bereitgestellt wird.