Justizvollzugsanstalt

Quelle: Justiz NRW

Justizvollzug

Mit Fragen wie zum Beispiel: Wann gibt es Lockerungen der Corona-Maßnahmen im Justizvollzug?

Jede Justizvollzugsanstalt verfügt über eine eigene medizinische Versorgung. Neben den Vorgaben der Gesundheitsämter orientieren sich die Justizvollzugsanstalten an den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI). In den Justizvollzugsanstalten des Landes liegen eigene Pandemiepläne vor. Es besteht Kontakt zu den jeweiligen Gesundheitsämtern, mit denen etwaig erforderlich werdende Maßnahmen abgestimmt werden.

Die Außenkontakte der Gefangenen sind erheblich reduziert worden. Mögliche Verdachtsfälle werden vorsorglich in Quarantäne untergebracht und nach Vorgabe des RKI getestet. Hierdurch soll die Infektionsgefahr für die Bediensteten und Mitgefangenen soweit wie möglich gemindert werden.

Im Justizvollzugskrankenhaus in Fröndenberg stehen Plätze zur stationären Aufnahme und Versorgung von akut erkrankten COVID-19-Patienten zur Verfügung. Soweit keine akute stationäre Behandlung erforderlich ist, werden Betroffene in der jeweiligen Justizvollzugsanstalt in Quarantäne genommen und im Übrigen die erforderlichen Einzelmaßnahmen mit dem Gesundheitsamt abgestimmt.


Wann gibt es Lockerungen der Corona-Maßnahmen im Justizvollzug?


Die Situation für Gefangene und ihre Angehörigen war in den letzten Wochen und Monaten nicht leicht. Um die Gefahr einer Infektion mit dem Corona-Virus so weit wie möglich zu verringern, wurden zum Schutz der Gefangenen und Bediensteten weitreichende kontaktbeschränkende Maßnahmen erlassen. Besuche und vollzugsöffnende Maßnahmen wurden auch für Gefangene des offenen Vollzugs zunächst deutlich reduziert.
Unter Abwägung der nach wie vor bestehenden Infektionsrisiken mit dem berechtigten Interesse der Gefangenen an der Aufrechterhaltung ihrer sozialen Kontakte, wurde den Justizvollzugsanstalten mit Erlass vom 26.05.2020 (modifiziert mit Erlass vom 17.08.2020) aufgegeben, den Gefangenenbesuch nach Möglichkeit ab dem 02.06.2020, spätestens jedoch in der 26. Kalenderwoche wieder aufzunehmen.


Dabei gibt die nach wie vor bestehende Pandemielage u.a. die folgenden Rahmenbedingungen vor:

  • Der Besuch wird vorläufig auf 2 Personen je Besuch beschränkt. Kinder von Gefangenen können als weitere Besuchspersonen zugelassen werden, soweit die Besuchskapazitäten dies erlauben und die Einhaltung des Kontaktverbotes sichergestellt ist.

  • Bei jedem Besucher ist ein Kurzscreening mittels Fragebogen durchzuführen (Erkältungssymptome und / oder Verlust von Geruchs/Geschmackssinn, COVID-19 Infektion oder Kontakt mit Infizierten); die Zulassung zum Besuch erfolgt auf Grundlage des Ergebnisses dieses Screenings.

  • Die Besucher werden durch Aushang bzw. in sonst geeigneter Weise über die aktuellen Hygienevorgaben (Abstandsgebot, Schutzausrüstung, Nieshygiene, usw.) und die Verhaltensregeln beim Besuch informiert.

  • Besucher tragen während des Aufenthalts in der Anstalt mindestens eine Mund-Nasen-Bedeckung, die von den Besuchern mitzubringen ist.

  •  Während des gesamten Besuchs - einschließlich Begrüßung und Verabschiedung - besteht ein absolutes körperliches Kontaktverbot zwischen Besucher und Gefangenen.

  • Besucher müssen sich vor dem Besuchskontakt die Hände desinfizieren, entsprechende Möglichkeiten (mobile oder stationäre Desinfektionsspender) sind vorzuhalten.

  •  Bei der Durchführung der Besuche ist der Einhaltung des Abstandsgebots durch geeignete Maßnahmen Rechnung zu tragen; die Besuchsräume sind ausreichend zu lüften und die Besuchertische regelmäßig zu desinfizieren.

Auch die Beschränkungen der vollzugsöffnenden Maßnahmen sind sodann - in Abhängigkeit vom Stand der Pandemie - weiter gelockert worden. So wurde mit Erlassen vom 5. Juni 2020 die Durchführung von Ausführungen zum Erhalt der Lebenstüchtigkeit sowie begleitete vollzugsöffnende Maßnahmen (Ausführungen, Außenbeschäftigung und Begleitausgänge) für den geschlossenen und offenen Vollzug generell wieder ermöglicht. Zuletzt ist den Justizvollzugsanstalten mit Erlass vom 29. Juni 2020 mitgeteilt worden, dass nunmehr auch hinsichtlich der Wiederaufnahme selbstständiger vollzugsöffnender Maßnahmen gegen die Gewährung selbständiger vollzugsöffnende Maßnahmen (Ausgang, Langzeitausgang) keine Bedenken bestehen.


Wie viele Gefangene wurden in Nordrhein-Westfalen auf das Coronavirus positiv getestet?

Bislang gab es im Justizvollzug des Landes Nordrhein-Westfalen 33 Gefangene, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, davon sind 21 Gefangene wieder genesen (Berichtslage 26.Oktober 2020, 14:00 Uhr).

Welche Maßnahmen werden ergriffen, wenn ein Gefangener positiv auf das Coronavirus getestet worden ist?


Der oder die Gefangene wird in einem Quarantänebereich untergebracht und dort durch Justizvollzugsbedienstete versorgt. Jede Justizvollzugsanstalt verfügt über eine eigene medizinische Versorgung, die in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt die erforderliche Betreuung des oder der Gefangenen sicherstellt.

Bei Häufung von Erkrankungsfällen erfolgt eine Gruppenisolierung, also eine gemeinsame räumliche Unterbringung der Infizierten. Dafür sind in den Justizvollzugsanstalten gegenwärtig vorsorglich Quarantänestationen eingerichtet worden. Soweit eine stationäre Betreuung erforderlich wird, erfolgt eine Verlegung in das Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg. Im Justizvollzugskrankenhaus in Fröndenberg stehen Kapazitäten zur Aufnahme von COVID-19 erkrankten Gefangenen zur Verfügung. Auf der intensivmedizinischen Abteilung ist außerdem eine intensivmedizinische Betreuung von Gefangenen möglich.

Können Gefangene Gerichtstermine wahrnehmen?

Gefangene werden von den Justizvollzugsanstalten unverändert zur Wahrnehmung von Terminen bei den Gerichten vorgeführt.


Welche Personen hatten aufgrund der Corona-Pandemie einen Strafaufschub erhalten?


Um das Risiko von Neuinfektionen im Justizvollzug zu senken und die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, wurden alle Ladungen von Personen, gegen die

  • eine Ersatzfreiheitsstrafe oder
  • Erzwingungshaft


vollstreckt werden soll, bis auf weiteres durch die Staatsanwaltschaften aufgeschoben (Neuaufnahmen).
Außerdem hat das Ministerium der Justiz seine generelle Zustimmung erteilt, dass Staatsanwaltschaften für noch nicht angetretene Freiheitsstrafen von bis zu 12 Monaten einen Strafaufschub gewähren konnten. Dies gilt jedoch nicht für Freiheitsstrafen, die wegen einer der im 13. Abschnitt des Strafgesetzbuchs aufgeführten Straftaten verhängt wurden (Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung). Gegenwärtig erfolgen Strafaufschübe nur bei Ersatzfreiheitsstrafen.


Wann erfolgen wieder Ladungen zum Strafantritt bei den aufgeschobenen Strafen?

Nach Rückgang des Infektionsgeschehens ist auf Grundlage eines abgestuften Ladungskonzeptes ab dem 1. Juli die Vollstreckung von Freiheitsstrafen wieder aufgenommen worden. Ab dem 1. Juli 2020 wurde mit der sukzessiven Vollstreckung der regulären Ladungen der Freiheitsstrafen und der aufgeschobenen Freiheitsstrafen von über sechs Monaten bis zu einem Jahr begonnen. Die Vollstreckung der Fälle von Erzwingungshaft wurde ab dem 15. August 2020 wieder aufgenommen.


Für welche Gefangenen konnte die Vollstreckung der Strafe unterbrochen werden?

Für Gefangene, die zurzeit unter Vollstreckungsleitung einer nordrhein-westfälischen Staatsanwaltschaft eine Ersatzfreiheitsstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu 18 Monaten - jeweils ohne Anschlussvollstreckung - verbüßen, konnte der Vollzug unterbrochen werden, wenn ihre Entlassung in der Zeit bis zum 31.07.2020 anstand. Eine Anschlussvollstreckung war dann unerheblich, wenn das Strafende der Anschlussvollstreckung ebenfalls in den Zeitraum 20. März 2020 bis 31. Juli 2020 fällt.
Eine Unterbrechung kam jedoch nicht in Betracht, wenn

  • eine Freiheitsstrafe wegen einer der im 13. Abschnitt des Strafgesetzbuchs aufgeführten Straftaten verhängt wurde (Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung),
  • gegen den Gefangenen oder die Gefangene während der laufenden Inhaftierung nach dem 1. Januar 2020 Arrest als Disziplinarmaßnahme verhängt worden ist,
  •  der/die Gefangene entwichen oder vom Urlaub, Ausgang, Freigang oder von einer Strafunterbrechung nicht oder schuldhaft mit erheblicher Verspätung zurückgekehrt ist,
  •  dem/der Gefangenen zur Last gelegt wird, während des Vollzuges oder einer Strafunterbrechung eine Straftat begangen zu haben,
  • die Wohnung, die gesundheitliche Versorgung oder der Lebensunterhalt der/des Gefangenen nicht gesichert ist,
  •  der/die Gefangene sich in einer therapeutischen Behandlung befindet, oder
  •  ausländerrechtliche Maßnahmen geplant sind.


Es handelte sich um die Unterbrechung von Strafen, die später weiter vollstreckt werden.

Seit Juni 2020 wurde  die Vollstreckung unterbrochener Freiheitsstrafen zunächst in solchen Fällen wieder aufgenommen, in denen die vorläufig entlassenen Gefangenen,

  •  die in sie gesetzte Erwartung straffreier Führung nach der Haftentlassung nicht gerechtfertigt haben, weil sie neue Straftaten begangen haben,
  •  inzwischen in anderer Sache in Haft genommen wurden oder
  •  eine Ladung zum Strafantritt in anderer Sache erhalten haben oder diese in Kürze bevorsteht.


Wird gegenwärtig Jugendarrest vollzogen?


Nach Rückgang des Infektionsgeschehens ist mit Erlass vom 17.06.2020 die Vollstreckung des Jugendarrests am dem 01.07.2020 wieder aufgenommen worden.


Finden in den Justizvollzugsanstalten noch Angebote für Gefangene statt?


Die Behandlungsmaßnahmen und Angebote für die Gefangenen werden von den Justizvollzugsanstalten so gut es geht aufrechterhalten. Der Umfang kann von Justizvollzugsanstalt zu Justizvollzugsanstalt aufgrund unterschiedlicher örtlicher Anforderungen variieren.
Die Beschäftigung in den Arbeitsbetrieben ist weitestgehend möglich. Die Gefangenen werden angehalten, die geltenden Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten.