Koffer am Strand
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Reiserecht

Regelungen zu Stornierungen von Pauschal- und selbst organisierten Reisen.
Können Reisende eine Pauschalreise kostenlos stornieren?

Als Pauschalreisende gelten nach § 651a Abs. 2 BGB vor allem diejenigen Personen, die eine Gesamtheit von mindestens zwei verschiedenen Arten von Reiseleistungen für den Zweck derselben Reise gebucht haben, also beispielsweise einen Flug und eine Unterkunft.

Gemäß den Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches haben Reisende das Recht, eine Pauschalreise kostenfrei zu stornieren, wenn am Urlaubsort oder in dessen unmittelbarer Nähe unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Personen an den Urlaubsort erheblich beeinträchtigen. Im Fall von Pauschalreisen bis Ende April ist die bis dahin geltende weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ein starkes Indiz dafür. Unmittelbare Rechtsfolgen hat die Reisewarnung aber nicht.

Grundsätzlich wird empfohlen, dass Reisende, die ihre Reise nicht antreten möchten, ihr Reisebüro bzw. ihren Reiseveranstalter kontaktieren. Neben Alternativen wie Umbuchungen lässt sich so auch die Möglichkeit einer kostenfreien Stornierung auf Kulanzbasis besprechen.

Können Reisende eine selbst organisierte Reise ins Ausland kostenlos stornieren?

Für Individualreisende stellt sich genauso wie für Pauschalreisende die Frage, ob sie ihre selbst organisierte und individuell gebuchte Reise ins Ausland kostenlos stornieren können. Hierzu ist zunächst festzustellen, dass die den Pauschalreisenden eingeräumten besonderen Stornierungsmöglichkeiten für Individualreisende keine Anwendung finden. Außerdem gelten weitere Besonderheiten, die nachfolgend im Überblick dargestellt werden sollen:

Zunächst ist zu beachten, dass für einzeln gebuchte Leistungen nicht unbedingt deutsches Recht zur Anwendung kommen muss. Denn bei einzeln gebuchten Leistungen im Ausland, z.B. Hotels, kann auf den Vertrag das Recht des dortigen Landes statt des deutschen Rechtes anwendbar sein. Nach diesem Recht richtet sich dann auch die Stornierung der Leistung. Dies kann auch bei Buchungen über Buchungsportale der Fall sein. Die Reisenden sollten hier ihre Vertragspartner vor Ort kontaktieren und die Möglichkeit von Umbuchungen oder (Teil-)Erstattungen auf Kulanzbasis besprechen, wenn z.B. die Leistungserbringung vor Ort noch möglich wäre. Oftmals bieten auch Buchungsportale Unterstützung bei der Änderung von Reiseplänen an.

Ist hingegen deutsches Recht anwendbar, kann der Reisende nur dann kostenfrei stornieren, wenn die Einzelleistung nicht erfüllt wird. Als Beispiel ist zu nennen, dass einzelne Bundesländer ein Reiseverbot verhängt haben. In diesen Fällen dürfen derzeit auch keine Unterkünfte mehr von deren Betreibern bzw. von Vermittlern angeboten werden. Zudem hat ein solches Reiseverbot in vielen Fällen dazu geführt, dass die entsprechenden Unterkünfte ganz geschlossen wurden und dementsprechend auch keine Gäste mehr aufnehmen können. Außerdem sehen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen vieler Beherbergungsbetriebe und Hotels die Möglichkeit einer kostenfreien Stornierung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt vor. In allen diesen Fällen könnte eine kostenfreie Stornierung möglich sein, wobei dies immer noch im Einzelfall geprüft werden muss.

Unter diese Fallgruppe könnten auch Flugreisen fallen, wenn der Zielflughafen aufgrund eines generellen Einreiseverbots nicht mehr angeflogen werden kann oder Flüge abgesagt werden. Viele Fluggesellschaften bieten davon unabhängig derzeit auch aus Kulanz die Möglichkeit an, Flugreisen kostenlos umzubuchen oder zu stornieren, wenn sich der Fluggast dafür im Gegenzug mit der Ausstellung eines Gutscheins ("Voucher") zufrieden gibt.

Generell empfiehlt es sich auch in diesen Fällen, wie bereits oben ausgeführt, den Kontakt zu dem jeweiligen Anbieter zu suchen und die Möglichkeit von Umbuchungen oder (Teil-)Erstattungen auf Kulanzbasis besprechen, wenn z.B. die Leistungserbringung vor Ort noch möglich wäre. Auch insoweit bieten Buchungsportale häufig Unterstützung bei der Änderung von Reiseplänen an.

Noch nicht durch die Rechtsprechung geklärt ist die Frage, ob im Falle einer Einreisesperre, die an die Nationalität des Reisenden anknüpft, eine kostenfreie Stornierung der Reiseleistung möglich ist.

Was können Reisende tun, die bereits unterwegs sind?

Pauschalreisende haben unter bestimmten Umständen das Recht, auch nach Antritt der Reise diese zu kündigen. Damit ein solches Kündigungsrecht besteht, reicht aber allein die Angst vor einer Ansteckung nicht aus, sondern es müssen stattdessen außergewöhnliche Umstände vorliegen, die die Annahme rechtfertigen, dass die Pauschalreise am Urlaubsort nicht mehr durchgeführt werden kann. Das wäre z.B. denkbar, wenn Hotels aufgrund von behördlichen Anordnungen geschlossen werden. In diesen Fällen bleibt der Reiseveranstalter auch nach der Kündigung durch den Reisenden verpflichtet, für die Rückbeförderung zu sorgen. Eventuelle Mehrkosten hierfür wären vom Veranstalter zu tragen. Daneben könnten auch noch weitere Ansprüche wegen der ausgefallenen Reiseleistungen bestehen. Es empfiehlt sich unbedingt, zuvor mit dem Reiseveranstalter Kontakt aufzunehmen und nach einvernehmlichen Lösungen zu suchen.

Bei Individualreisenden gilt auch in diesen Fällen im Wesentlichen das bereits oben zu den Individualreisen Gesagte. Geht es allein um die Rückreise, könnten bei Flugreisenden die oben angesprochenen Kulanzregeln, nach denen eine Umbuchung derzeit häufig kostenfrei möglich ist, dem Reisenden bei seinem Wunsch nach baldiger Heimreise hilfreich zur Seite stehen. Aber auch insoweit gilt erneut der Rat, dass es stets sinnvoll und geboten sein dürfte, mit dem jeweiligen Anbieter vorab Kontakt aufzunehmen und mit ihm gemeinsam nach Lösungen zu suchen.