Zentrum für Interkulturelle Kompetenz (ZIK)

Integration, Deradikalisierung, Extremismusbekämpfung
Stärkung der interkulturellen Kompetenz der Justizangehörigen, bedarfsgerechter Ausbau des Fortbildungsangebots unter Entwicklung neuer Fortbildungskonzepte.

Immer häufiger begegnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Justiz in ihrem Berufsalltag Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Interkulturelle Kompetenz befähigt diese zu einer besseren Verständigung, vermeidet Missverständnisse und entschärft Konfliktpotentiale.

Aufbau des Zentrums

Das von dem Ministerium der Justiz NRW neu eingerichtete Zentrum für Interkulturelle Kompetenz der Justiz NRW (ZIK) unterstützt alle Justizmitarbeiterinnen und Justizmitarbeiter bei der Bewältigung der alltäglichen Herausforderungen, die sich aus der zunehmenden Diversität der Gesellschaft ergeben. Es hat seinen Sitz in Essen und ist organisatorisch an die Justizakademie des Landes Nordrhein-Westfalen - Gustav-Heinemann-Haus - angebunden.

Interkulturelle Kompetenz

Kernaufgabe des ZIK ist die Stärkung der interkulturellen Kompetenz der Justizangehörigen, die auch und gerade mit Blick auf die gesellschaftlichen Veränderungen der jüngeren Vergangenheit erhebliche Bedeutung für eine funktionstüchtige, effiziente und bürgernahe Justiz hat. Diesem gesellschaftlichen Wandel und der Zunahme an Konflikten in der täglichen Praxis will das ZIK begegnen, indem es das bestehende Fortbildungsangebot unter Entwicklung neuer Fortbildungskonzepte und unter Beteiligung interessierter Justizmitarbeiterinnen und -mitarbeiter bedarfsgerecht ausbaut.

Zentraler Informationsdienstleister der Justiz in NRW

Zudem versteht sich das ZIK in diesem Bereich als zentraler Informationsdienstleister der Justiz in NRW. Aus der für den Einzelnen unübersichtlichen Fülle an Angeboten, Informationen und Maßnahmen wird das ZIK arbeitsrelevante Inhalte und kompetente Ansprechpartner erschließen und interessierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Justiz vermitteln. So erfüllt das ZIK eine Filter- und Kompassfunktion, indem es anwendungsorientiert Informationen sichtet und Medien und Informationen, wie z.B. Links zu einschlägiger Rechtsprechung, Literatur und Handlungsempfehlungen, nachhaltig bereitstellt. Unter Einsatz modernster Technologien und Kommunikationsmittel sollen innovative Konzepte für Wissensmanagement, Erfahrungsaustausch und bedarfsgerechte Fortbildungen zur Verfügung gestellt werden.

Bekämpfung von Extremismus durch die Justiz

Ein weiterer wichtiger Aspekt von interkulturell kompetenter Justizarbeit ist das Erkennen und Bekämpfen von religiösem Extremismus. Besonders hervorzuheben ist die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Justizvollzug und des Ambulanten Sozialen Dienstes, die in diesen Fragen insbesondere durch die vier Islamwissenschaftler des ZIK kompetent geschult werden. Diese waren bislang an die JVA Remscheid angebunden und verantwortlich für das erfolgreiche Projekt zur „Prävention von Radikalisierung in nordrhein-westfälischen Justizvollzugsanstalten“, welches nunmehr durch das ZIK nahtlos fortgeführt und weiterentwickelt wird.

Doch auch in Fragen des politischen Extremismus und im Umgang mit schwierigen Personengruppen will das ZIK in seinem Selbstverständnis als zentraler Informationsdienstleister die Justiz durch professionelles Wissensmanagement, Fortbildungen, praktische Arbeitshilfen und Netzwerkarbeit unterstützen. Als erstes gutes Beispiel hierfür dient die geplante Schulung der Staatsanwältinnen und Staatsanwälte, die ihre Arbeit in der Zentralstelle für Terrorismusverfolgung (ZenTer) in Kürze aufnehmen werden.

Lagebild Paralleljustiz

Darüber hinaus ist das ZIK auf Grundlage des Koalitionsvertrages mit der Erstellung eines landesweiten Lagebildes „Paralleljustiz“ betraut worden.

Paralleljustiz ist eine unzulässige außergerichtliche Streitbeilegung außerhalb der Rechtsordnung, die Ausdruck eines anderen tradierten Werte- und Normsystems ist. Die Ausübung von Paralleljustiz beruht in der Regel auf sozio-kulturell geprägten Gewohnheiten und wird oft in Unkenntnis der Grundsätze des deutschen Rechts, insbesondere des Gewaltmonopols aber auch der staatlichen Schutzfunktion, praktiziert. Um einen umfassenden Überblick und eine gesicherte Grundlage für weitere Maßnahmen gegen Paralleljustiz zu gewinnen, plant das ZIK regionale Runde Tische, zu denen Experten aus Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu Erscheinungsformen und Ursachen von Paralleljustiz zusammentragen. Diese Arbeit wird durch eine wissenschaftliche Studie begleitet werden.

Ein vergleichbares Zentrum wie das ZIK, das sich in dieser Bandbreite gesellschaftspolitisch bedeutsamen Aufgaben stellt, ist bislang von keiner anderen Justizverwaltung errichtet worden und stellt einen großen Gewinn für die Justiz in NRW dar.

Verantwortlich: Ministerium der Justiz NRW, Abteilung V, Stand: 2018