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Norwegen

v.l.n.r. Botschafter Alfred Grannas (Deutsche Botschaft Oslo), Staatsekretär Thor Sættem (norwegisches Ministeriums für Justiz und öffentliche Sicherheit), Staatsekretär Dirk Wedel. Quelle: Justiz NRW

Viele Anregungen aus dem norwegischen Strafvollzug

Staatssekretär Dirk Wedel informierte sich in Begleitung des Justizvollzugsbeauftragten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ministeriums der Justiz in Norwegen über den dortigen Strafvollzug

Im Rahmen eines Aufenthaltes vom 18. bis zum 20. August 2021 konnte durch die nordrhein-westfälische Delegation ein unmittelbarer Einblick in das norwegische Strafvollzugssystem gewonnen werden. Neben Besuchen der Haftanstalten Halden und Bastøy stand insbesondere der Besuch des Direktorats des norwegischen Strafvollzugs auf dem Programm, bei dem in fachkundigen Vorträgen der Strafvollzug in Norwegen im Einzelnen vorgestellt wurde.  

Während des gesamten Aufenthaltes kam dem persönlichen Austausch mit den Mitarbeitern des norwegischen Strafvollzugs große Bedeutung zu, die in gewinnbringenden Diskussionen und vielen persönlichen Gesprächen einen tiefen Einblick in ihre tägliche Arbeit und die Besonderheiten des norwegischen Strafvollzugssystems geben konnten. Besonders hervorzuheben ist dabei auch die  Anwesenheit von Staatsekretär Thor Sættem des norwegischen Ministeriums für Justiz und öffentliche Sicherheit.

Neben vielen Gemeinsamkeiten und vergleichbaren Herausforderungen konnten so auch zahlreiche neue Eindrücke und Impressionen gewonnen werden, die schon während des Aufenthaltes in der nordrhein-westfälischen Delegation für intensive Diskussionen im Hinblick auch auf den hiesigen Strafvollzug sorgten.

Insbesondere die niedrige Rückfallquote, die in Norwegen über einen Zeitraum von zwei Jahren nach der Haftentlassung bei etwa 20 Prozent liegt, beindruckte die Delegationsteilnehmer. Als Grundlage für diesen Erfolg nannten die norwegischen Gesprächspartner unter anderem das sogenannte „Importmodell“, nachdem wichtige Dienstleistungen für die Wiedereingliederung der Gefangenen von kommunalen Dienstleistern in den Haftanstalten erbracht werden. Insbesondere umfangreiche Bildungsangebote (Schule, Berufsausbildung) und auch die medizinische Versorgung werden durch externe Kräfte aus der jeweiligen Gemeinde sichergestellt. Zudem steht den Gefangenen ein eigener Kontaktbeamter als Mentor zur Seite, der sie bei der Bewältigung des Haftalltags im Hinblick auf eine erfolgreiche Resozialisierung unterstützt. Insgesamt berichteten die norwegischen Strafvollzugsbediensteten von einem positiven Anstaltsklima, das auch seinen Ausdruck im dortigen Sicherheitskonzept gefunden hat. Als wesentlichem Element basiert es auf sogenannter „dynamischer“ Sicherheit. Diese ist geprägt durch einen engen persönlichen Kontakt von Bediensteten und Gefangenen, was nach den Erfahrungen der norwegischen Gesprächspartner zu einem erheblichen Absinken des Gefährdungspotentials führt.

Im Nachgang der Delegationsreise wird nun eine detaillierte Auswertung und Analyse erfolgen, um strukturiert neue Ansätze für den nordrhein-westfälischen Strafvollzug zu identifizieren und um diese auf ihre Umsetzung in der hiesigen Praxis zu überprüfen.

Die nordrein-westfälischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich dabei einig, dass der Aufenthalt in Norwegen ein großer Gewinn für die tägliche Arbeit und insbesondere für die Weiterentwicklung des nordrhein-westfälischen Strafvollzugs war.  


Norwegen v.l.n.r. Tom Eberhardt (Senior Adviser; norwegischer Strafvollzugsdienst), Erik Bergstedt (Regionaldirektor; norwegischer Strafvollzugsdienst), Staatsekretär Thor Sættem, Staatsekretär Dirk Wedel
Quelle: Justiz NRW
Norwegen2 Nordrhein-westfälische Delegation mit Herrn Kremer (Deutsche Botschaft Oslo)
Quelle: Justiz NRW