Hochschule der Justiz NRW: Wenn ein leiser Stoß zum Fall wird
Exkursion der HSJustiz NRW ins Straßenverkehrsstrafrecht
Ein dumpfer Stoß, kaum mehr als ein kurzes Vibrieren im Lenkrad – und doch kann genau dieser Moment strafrechtliche Relevanz entfalten. Wie fein die Grenze zwischen „nicht bemerkt“ und „hätte bemerkt werden müssen“ verläuft, erlebten zwei Studiengruppen des das fachwissenschaftliche Studiums für den Amtsanwaltsdienst der Hochschule der Justiz (HSJustiz) Nordrhein-Westfalen am 20. April 2026 bei einer praxisnahen Exkursion zur DEKRA in Bonn. Begleitet von ihren Dozenten im Straßenverkehrsrecht stand ein Thema im Mittelpunkt, das in der Praxis von Amtsanwältinnen und Amtsanwälten regelmäßig eine zentrale Rolle spielt: die „Bemerkbarkeit von Kleinkollisionen“ im Rahmen des § 142 StGB.
Im theoretischen Teil vermittelte Diplom-Ingenieur Michael Heuer anschaulich, nach welchen Kriterien Sachverständige beurteilen, ob eine Kollision für Fahrzeugführende wahrnehmbar gewesen sein muss. Neben optischen und akustischen Eindrücken rückte insbesondere die kinästhetische Wahrnehmung – also das „Spüren“ eines Anstoßes – in den Fokus. Anhand realer Versuchsreihen wurde deutlich, wie differenziert und einzelfallbezogen diese Beurteilungen erfolgen. Besonders eindrucksvoll wurde es anschließend auf dem Außengelände. Dort rekonstruierte Diplom-Ingenieur Axel Sperlich typische Parkunfälle mit zwei schrottreifen, aber noch fahrbereiten Fahrzeugen. Die Studierenden konnten selbst hinter dem Steuer Platz nehmen und unmittelbar erleben, wie unterschiedlich sich selbst geringfügige Kollisionen anfühlen – und wie schwierig die Frage der Wahrnehmbarkeit im Einzelfall sein kann.
Die Exkursion zeigt exemplarisch, was das Studium an der Hochschule der Justiz Nordrhein-Westfalen auszeichnet: eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Wer sich für den Beruf der Amtsanwältin oder des Amtsanwalts entscheidet, übernimmt früh Verantwortung in der Strafverfolgung – und profitiert von einer Ausbildung, die juristisches Fachwissen mit realitätsnahen Einblicken verbindet.
Am Ende des Tages blieb neben neuen Erkenntnissen vor allem der Eindruck, das Strafrecht lebendig ist. Und wer es anwendet, braucht nicht nur juristische Präzision, sondern auch ein Gespür für die Wirklichkeit, in der sich die Fälle abspielen. Ein Studium, das genau darauf vorbereitet, eröffnet fachliche wie persönliche Perspektiven. Ein herzlicher Dank der HSJustiz NRW gilt Herrn Heuer, Herrn Sperlich und dem gesamten DEKRA-Team für die hervorragende Organisation und die praxisnahe Vermittlung dieses spannenden Themenfeldes.