Pressegespräch ZAC NRW
Dr. Benjamin Limbach (re.) und Markus Hartmann
Quelle: Justiz NRW

Schutzwall gegen digitale Erpressung: Justizminister Dr. Limbach und Leitender Oberstaatsanwalt Markus Hartmann stellen Jahresbericht der ZAC NRW vor – Fokus auf Kritische Infrastruktur

ZAC NRW - Minister
Dr. Benjamin Limbach beim Pressegespräch der ZAC NRW
Quelle: Justiz NRW

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ZAC NRW - Markus Hartmann
Markus Hartmann beim Pressegespräch der ZAC NRW
Quelle: Justiz NRW

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Die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC NRW) zieht Bilanz für das Jahr 2025: Zunahme von Angriffen auf die Kritische Infrastruktur, ein starker Fokus auf internetkonnexen Kindesmissbrauch und der verstärkte Einsatz Künstlicher Intelligenz prägen die Arbeit der Kölner Spezialeinheit.

Ob Angriffe auf Behördennetze, Krankenhäuser oder Energieversorger: Die Bedrohungslage für die Kritische Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen hat im vergangenen Jahr eine neue Dimension erreicht. Bei der Vorstellung des Jahresberichts 2025 der ZAC NRW in Köln betonte Justizminister Dr. Benjamin Limbach am Freitag, 24. April 2026, die Rolle der Zentralstelle als „unverzichtbares Rückgrat“ beim Schutz staatlicher und gesellschaftlicher Grundfunktionen.

„Angriffe auf unsere Kritische Infrastruktur sind zur täglichen Realität geworden. Sie sind Angriffe auf uns alle“, erklärte Minister Dr. Limbach. „Die Täter – oft organisiert in internationalen Gruppierungen oder agierend im Auftrag von Drittstaaten – zielen darauf ab, unser Gemeinwesen zu destabilisieren. Die ZAC NRW setzt dem digitale Präzision und unnachgiebigen Ermittlungsdruck entgegen. Wir lassen nicht zu, dass digitale Erpresser unsere Daseinsvorsorge als Geisel nehmen.“

Kritische Infrastruktur im Visier
Der Bericht für das Jahr 2025 verdeutlicht die verschärfte Lage:

  • Qualitätsrevolution bei Cyberangriffen: Künstliche Intelligenz in Täterhand potenziert die Angriffsintensität.
  • Dominanz von Ransomware: Erpressungssoftware bleibt das Hauptwerkzeug der Täter. Die ZAC NRW verzeichnete eine Zunahme hochkomplexer Angriffe. Täter bedienen sich häufig sogenannter Ransomware-as-a-Service-Modelle und verstärken die Angriffe durch arbeitsteiliges Vorgehen.
  • Erhöhung des Anzeigeverhaltens: Ein zentrales Ziel der ZAC NRW bleibt es, das Vertrauen betroffener Unternehmen und Institutionen zu stärken, um Ransomware-Angriffe konsequent zur Anzeige zu bringen und so die Täterstrukturen zerschlagen zu können.
     

Weitere Meilensteine der Ermittlungsarbeit
Neben dem Schutz der Infrastruktur konnte die ZAC NRW im vergangenen Jahr bedeutende Erfolge in anderen Feldern erzielen:

  • Bekämpfung von Kindesmissbrauch: Nach der Abschaltung der Plattform „Alice in Wonderland“ konnten zahlreiche Mitglieder identifiziert und bereits mehrere Verurteilungen zu hohen Haftstrafen erwirkt werden.
  • Schlag gegen die Darknet-Ökonomie: In 2025 gab es die ersten Verurteilungen von herausgehobenen Akteuren auf „Crimemarket“, einer Plattform, auf der kriminelle Dienstleistungen aber auch detaillierte Anleitungen zu schweren Straftaten oder Drogen erhältlich waren, zu mehrjährigen Haftstrafen. Ermittlungserfolge konnten auch gegen die Plattform „Crimebay“ erreicht werden, eine zentrale Drehscheibe für den Handel mit ausgespähten Online-Banking-Daten.
  • Schutz der Demokratie: Die ZAC NRW verstärkt den Kampf gegen Hasskriminalität durch neue Kooperationen, unter anderem mit dem Westdeutschen Fußballverband, um Schiedsrichter im Amateurbereich vor digitaler Hetze zu schützen.
     

Innovation durch Künstliche Intelligenz
Angesichts explodierender Datenmengen setzt die Justiz verstärkt auf technologische Aufrüstung. Im Rahmen des Projekts „Joint AI Force“ (JAIF) kooperiert die ZAC NRW eng mit dem Landeskriminalamt NRW, um KI-gestützte Werkzeuge zur schnelleren Auswertung von Beweismitteln zu entwickeln. Ziel ist es, insbesondere bei der Detektion von Missbrauchsdarstellungen wertvolle Zeit zu gewinnen.

Im Rahmen der Pressekonferenz wurde außerdem erstmals eine KI-Anwendung präsentiert, die zukünftig eine inhaltliche Durchdringung umfangreicher Ermittlungsverfahren ermöglicht. Der Leiter der ZAC NRW erläutert: „Angesichts der stetig steigenden Verfahrenszahlen werden wir dem Anspruch einer effizienten und wirksamen Strafverfolgung nur durch den Einsatz moderner IT genügen können. Wir entwickeln daher in der ZAC NRW spezialisierte KI-Anwendungen für die Praxis einer Cyberstaatsanwaltschaft selbst.“

Rechtspolitischer Handlungsbedarf: Schutz vor Deepfakes
Justizminister Dr. Limbach nutzte die Vorstellung des Berichts für eine klare rechtspolitische Botschaft: „Wir brauchen einen Paradigmenwechsel im Sexualstrafrecht. Der Schutz vor digitaler sexueller Gewalt in Form von Deepfakes muss gestärkt werden. Wer Gesichter ungefragt in Pornos montiert, begeht eine schwere Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung. Wir brauchen hier klare gesetzliche Regelungen, die bereits die Herstellung solcher Deepfakes unter Strafe stellen.“

Über die ZAC NRW
Die bei der Generalstaatsanwaltschaft und der Staatsanwaltschaft Köln ansässige Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen (ZAC NRW) ist die größte Einrichtung dieser Art in Deutschland. Sie ist zuständig für herausgehobene Ermittlungsverfahren im Bereich der Cybercrime und fungiert als zentrale Schnittstelle zwischen Justiz, Polizei und Wirtschaft.