Photovoltaik JZ Aachen
v. l. n. r.: Dr. Benjamin Limbach, Mona Neubaur, Gabriele Willems
Quelle: BLB NRW

8.000 Quadratmeter für den Klimaschutz: Aachener Justizzentrum wird zum Solarkraftwerk

Eine Fläche so groß wie ein Fußballfeld, mitten in der Stadt und direkt auf dem Dach: Das Aachener Justizzentrum erzeugt jetzt seinen eigenen Ökostrom. Die derzeit größte Photovoltaikanlage auf einem Gebäude des Landes Nordrhein-Westfalen weihten die stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur und NRW-Justizminister Dr. Benjamin Limbach nun feierlich ein. Errichtet wurde die Anlage durch den Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes Nordrhein-Westfalen (BLB NRW).

Auf rund 8.000 Quadratmetern Dachfläche, das entspricht etwa einem Fußballfeld, hat der BLB NRW 1.462 Solarmodule mit einer Gesamtleistung von knapp 600 Kilowatt-Peak (kWp) installiert. Die Anlage liefert unter optimalen Bedingungen einen Jahresertrag von bis zu 600.000 Kilowattstunden, das entspricht dem Jahresverbrauch von rund 150 Vierpersonenhaushalten. Übers Jahr gerechnet deckt die Anlage rund 44 Prozent des Stromverbrauchs des Justizzentrums. Eingeweiht wurde die beeindruckende Anlage jetzt durch Mona Neubaur, stellvertretende Ministerpräsidentin und Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen und Dr. Benjamin Limbach, Minister der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen.

Wirtschafts- und Energieministerin Mona Neubaur: „8.000 Quadratmeter Dach, 44 Prozent Eigenversorgung: das Justizzentrum Aachen zeigt, was möglich ist, wenn die öffentliche Hand Verantwortung übernimmt. Nordrhein-Westfalen treibt die Energiewende voran, nicht nur mit Worten, sondern vor allem mit Kilowattstunden. Jede Solaranlage auf einem Landesgebäude ist ein Beitrag zu günstigerem Strom, weniger Abhängigkeit und mehr wirtschaftlicher Stärke.”

Minister der Justiz Dr. Benjamin Limbach: „Die hiesige PV-Anlage produziert künftig nicht nur Strom, sondern steht auch für den Anspruch einer modernen und nachhaltigen Verwaltung. Sie verdeutlicht, dass die Justiz Verantwortung übernimmt und den Weg zur Klimaneutralität aktiv mitgestaltet. Mit Projekten wie diesem kann die NRW-Justiz einen Beitrag dazu leisten, Nordrhein-Westfalen zum ersten klimaneutralen Industrieland zu machen.“

An sonnigen Tagen im Frühjahr produzierte die Anlage bereits bis zu 3.500 Kilowattstunden Strom. Umgerechnet ließen sich damit an einem einzigen Tag rund 3.500 Waschgänge mit einer handelsüblichen Waschmaschine erledigen. Im Vergleich zum deutschen Strommix spart die Anlage jährlich etwa 190 Tonnen CO₂ ein.

Gründach und Kraftwerk in einem
Die Dächer des Justizzentrums liefern nicht nur Sonnenstrom, sondern erfüllen noch eine zweite nachhaltige Aufgabe. Denn die Begrünung des Daches sorgt für eine natürliche Isolation gegen Hitze und Kälte, schafft einen positiven Effekt auf das lokale Klima sowie Lebensräume für Kleinlebewesen. Damit beides nebeneinander funktioniert, kommt eine spezielle Unterkonstruktion zum Einsatz, die mit Beschwerungssteinen gesichert ist und ohne mechanische Verankerung auskommt. Die Dachhaut und die bestehende Vegetation bleiben dabei völlig intakt, während die Solarmodule sicher fixiert sind.

Um das historische Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Altbaus am Adalbertsteinweg zu bewahren, wurde bei der Installation bewusst auf diese Dachflächen verzichtet. Die Photovoltaikanlage konzentriert sich stattdessen auf die modernen Gebäudeabschnitte. So gelingt dem Justizzentrum eine harmonische Balance zwischen gelebtem Denkmalschutz und zukunftsweisendem Klimaschutz.

Bauen bei laufendem Justizbetrieb
Während der Justizbetrieb darunter weiterlief, mussten die Arbeiten auf den Dächern organisiert werden. Die Module, Schienen und Beschwerungssteine wurden im Just-in-time-Verfahren angeliefert und per Kran direkt auf die Dächer gehoben.

Die Module wurden während des Krantransports schwebend von den Paletten gelöst und sofort über die Dachfläche verteilt. Damit der Strom in das Hausnetz gelangen konnte, mussten zudem die Niederspannungshauptverteilung erweitert und die Trafostation umgebaut werden. Für diese Arbeiten war eine vollständige Netztrennung des Justizzentrums erforderlich. Sicherheitsrelevante Bereiche wurden in dieser Zeit über ein Notstromaggregat versorgt. 

„Das Justizzentrum Aachen trägt die bislang größte Auf-Dach-Photovoltaikanlage, die wir auf einer Landesliegenschaft realisiert haben. Das zeigt, was im Bestand möglich ist. Genau solche Projekte brauchen wir für noch mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Landesverwaltung. Mein Dank gilt allen, die das unter anspruchsvollen Bedingungen umgesetzt haben", sagt Gabriele Willems, Geschäftsführerin des BLB NRW.

Beitrag zur klimaneutralen Landesverwaltung
Das Projekt in Aachen ist Teil des landesweiten Photovoltaikausbaus des BLB NRW. Der Landesbetrieb erschließt Dach- und Freiflächen seiner Liegenschaften für die Stromerzeugung und leistet so einen Beitrag zur nachhaltigen Ertüchtigung der Landesgebäude und einer klimafreundlichen Energieversorgung. Bislang wurden im Verwaltungsvermögen des BLB NRW bereits Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 13.000 kWp errichtet. Der Ausbau wird kontinuierlich fortgesetzt: In den kommenden Jahren ist eine weitere deutliche Steigerung der Photovoltaikflächen vorgesehen.