Hochschule der Justiz NRW: Bewusstsein für Verantwortung, Toleranz und Vielfalt schaffen
Studierende der HSJustiz NRW erkunden NS-Gedenkstätten
Sechs Studiengruppen des Studiums II im Fachbereich Rechtspflege der Hochschule der Justiz Nordrhein-Westfalen (Studienort Bad Münstereifel) besuchten im Rahmen der Lehrveranstaltungen zum Fach „Öffentliches Recht“ gemeinsam mit ihren Dozentinnen und Dozenten verschiedene Orte der historisch-politischen Bildung.
Ein Ziel war das NS-Dokumentationszentrum in Köln. Das NS-DOK ist eine der größten kommunalen Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Es hat seinen Sitz im EL-DE-Haus, der ehemaligen Kölner Gestapozentrale. In seiner Dauerausstellung informiert das NS-DOK über die Haftbedingungen und macht die ehemaligen Gefängniszellen mitsamt Inschriften von Opfern des NS-Staats zugänglich. Teil der Ausstellung ist auch der Innenhof, wo 1944/45 über 400 Menschen hingerichtet wurden. Die Führung durch die Räume der ehem. Gestapozentrale nahm u.a. Bezug auf die Rolle der Justiz in der NS-Zeit. Die Gefängniszellen im Kellertrakt des Gebäudes hinterließen einen bleibenden Eindruck bei den Studierenden.
Weiteres Ziel war die erst im Dezember 2025 vollständig neu gestaltete Dauerausstellung des Hauses der Geschichte in Bonn. Die Studierenden begaben sich auf eine Zeitreise durch mehr als sieben Jahrzehnte deutscher Geschichte, die nicht nur politische Ereignisse, sondern vor allem Menschen, ihre Erfahrungen und Lebenswelten in den Mittelpunkt stellt. Besonders angenommen wurden die interaktiven Stationen, die Geschichte erlebbar gemacht haben, z.B. zum Thema Grundrechte. Es wurde zudem eine Haushaltsdebatte im Bundestag nachgestellt.
Wie im letzten Jahr wurde auch die NS-Gedenkstätte „Vogelsang IP – Internationaler Platz“ besucht. Die sogenannte NS-Ordensburg diente den Nationalsozialisten als Ausbildungsort einer zukünftigen „Herrschaftselite“. Zahlreiche der an diesem Ort geschulten sog. „Ordensjunker“ wurden im Zweiten Weltkrieg europaweit zu Tätern und Mittätern nationalsozialistischer Gräueltaten. Heute ist dort - unweit von Bad Münstereifel - ein Erinnerungsort für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander. In Begleitung eines Guides erkundeten die Studierenden den historischen Gebäudekomplex, der einst für die Verherrlichung menschenverachtender Ideologien genutzt wurde. In Kleingruppen erarbeiteten die Studierenden die damaligen Praktiken zum Aufbau einer „Burg“-Gemeinschaft nach nationalsozialistischer Ideologie und reflektierten die menschenverachtenden Taten der "Ordensburgmänner".
Der Besuch der unterschiedlichen Gedenk- und Bildungsorte bildete für die Studierenden eine wertvolle Ergänzung zum Fach "Öffentliches Recht". Wichtigster Lehrinhalt stellt dort unser - nach den Erfahrungen der NS-Zeit begründetes - Grundgesetz u.a. mit seinen (Justiz)Grundrechten, dem Rechtsstaatsprinzip und den Regelungen zum Schutz unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung dar.
Die Besuche der Gedenk- und Bildungsstätten sollen auch künftig ermöglicht werden. Denn mit kritischem Hinterfragen der Geschichte beginnt das Nachdenken über die Gegenwart, die eigene Position und Verantwortung.