Oberlandesgericht Hamm: Veranstaltung "Kindgerechte Justiz – ein interdisziplinärer Austausch"
Kindgerechte Justiz: Das Wohl der Kleinsten als "Richtschnur"
Ein Termin vor Gericht kann für ein Kind zur emotionalen Herausforderung werden. Den Menschen in der Justiz und den Fachleuten aus diesem Bereich ist das bewusst. Deshalb wurde das Oberlandesgericht Hamm jetzt zum Schauplatz einer ganz besonderen Veranstaltung, mit der die Justiz NRW ihre klare Verantwortung im Bereich des Kinderschutzes verdeutlichte.
Am 18. Februar 2026 konnten der Minister der Justiz, Dr. Benjamin Limbach und Gudrun Schäpers, Präsidentin des Oberlandesgerichts Hamm zahlreiche Teilnehmende auf der Tagung "Kindgerechte Justiz des Landes Nordrhein- Westfalen – ein interdisziplinärer Austausch" im Oberlandesgericht Hamm begrüßen. Begegnungen von unterschiedlichsten Expertinnen und Experten, für die insbesondere die Frage im Mittelpunkt stand, wie familiengerichtliche Verfahren gestaltet werden können, um den Bedürfnissen und der Würde von Kindern gerecht zu werden. Es ging insbesondere um den Ablauf und die Rahmenbedingungen familiengerichtlicher Verfahren, das Erkennen von Defiziten und die Diskussion von Verbesserungspotenzialen.
Gleich zu Beginn der Veranstaltung betonte die Präsidentin des Oberlandesgerichts Hamm, Gudrun Schäpers: "Wir als Justiz müssen unserer Verantwortung für die Kinder gerecht werden. Wir müssen sie schützen, auf ihre Bedürfnisse eingehen, sie ernst nehmen, auf der richtigen Ebene und mit der richtigen Sprache mit ihnen kommunizieren, ihrer Furcht entgegenwirken und uns ihrer Verletzlichkeit bewusst sein. Sie müssen sich gehört und verstanden wissen. Und genau das erfordert ein großes Maß an Sensibilität und Empathie, eine mutige Organisation und bisweilen sicherlich auch eine ordentliche Portion Flexibilität."
Der Minister der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Benjamin Limbach, unterstrich die Bedeutung des Themas in seinem Grußwort: "In diesen Fällen ist allein das Kindeswohl die Richtschnur, die unser Handeln leiten und bestimmen darf. Kinder brauchen Sicherheit, Verlässlichkeit und emotionale Stabilität. In schwierigen Zeiten erleben viele Kinder ein gerichtliches Verfahren jedoch als eine zusätzliche enorme Belastung. Sie verstehen manche Abläufe nicht, müssen mit Personen sprechen, die sie nicht kennen und wissen nicht, was die Entscheidung für sie in der Zukunft zu bringen vermag."
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erlebten ein breites Themenspektrum an Vorträgen und Diskussionsmöglichkeiten. Schwerpunkte bildeten dabei neben justizinternen Bemühungen und Projekten auch der Kinderschutz aus medizinischer Perspektive sowie die Rolle des Jugendamtes im Kontext einer kindgerechten Justiz. Von den Beteiligten wurden wertvolle Impulse gesetzt und am Ende waren sich alle einig, dass die Schaffung eines starken Netzwerks, das die verschiedenen Akteure wie Puzzleteile zusammenfügt und so eine effektive Zusammenarbeit ermöglicht, einen wesentlichen Beitrag zu einer kindgerechten Justiz leisten kann – von der Justiz über das Jugendamt bis hin zu medizinischen Fachkräften. Sie alle stellen sicher, dass die Bedürfnisse und das Wohl der Kinder in jedem Schritt des Verfahrens angemessen berücksichtigt werden. Darüber hinaus ging es um übergreifende Kommunikation und Datenübermittlung. Insgesamt also eine Zusammenarbeit aller Bereiche, die an ineinandergreifende Zahnräder erinnert. Denn, das gemeinsame Ziel aller Teilnehmer ist es, die Justiz noch kindgerechter zu gestalten. Und das bedeutet, dass die Belastung für das Kind in allen Stadien eines Verfahrens so gering wie nur möglich gehalten wird.
Ein großer Dank gilt dem Moderatoren-Team Amtsgerichtsdirektorin Anette Reher, und Amtsgerichtsdirektor Axel Meyer sowie den Referentinnen und Referenten und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Podiumsdiskussion: Martina Erb-Klünemann, Dr. Cathrin Beba, Christine Lenz (Richterinnen von den Amtsgerichten Recklinghausen und Hamm), Dr. Tanja Brüning (Oberärztin und Leiterin der Abteilung für Kinderschutz, Vestische Kinder- und Jugendklinik Datteln), Dr. Sebastian Bartoscheck (Sachverständiger), Prof. Dr. Marie-Luise Kohne (Rechtsanwältin), Ingrid Müller (stellvertretende Leiterin des Jugendamtes des Kreises Paderborn) und Ole Peter (Verfahrensbeistand).
Daniel Große-Kreul
Pressedezernent